Sobald die ersten heißen Tage kommen, greife ich in Gedanken sofort zum Gartenschlauch. Ich vermute, es geht vielen so. Die Sorge ist verständlich, vertrocknete Beete sehen schließlich niemand gern. Nur stelle ich mir dann jedes Jahr aufs Neue die gleiche Frage: Ist tägliches Gießen tatsächlich das, was mein naturnaher Garten in dieser Zeit braucht, oder ist es eher eine Gewohnheit, die mehr mit meinem eigenen Bedürfnis nach Kontrolle zu tun hat als mit dem, was die Pflanzen wirklich brauchen? Über die Jahre habe ich für mich eine Antwort gefunden, die weniger Aufwand macht und den Pflanzen trotzdem mehr hilft.
Wenn du im Juli noch mehr für den eigenen Garten tun möchtest, findest du in meinen 14 Garten-To-Dos im Juli eine ganze Liste an saisonalen Aufgaben, in die sich das Gießen nur als ein Baustein von vielen einreiht.
Warum viel gießen nicht automatisch gut gießen bedeutet
Tägliches, kurzes Gießen wirkt auf uns selbst beruhigend, weil es sich nach Fürsorge anfühlt, weil wir ständig etwas tun. Für die Wurzelentwicklung ist es jedoch eher ungünstig. Wenn immer nur die obersten Zentimeter Boden feucht werden, bleiben auch die Wurzeln der meisten Pflanzen dort oben. Sie haben keinen Grund, tiefer zu wachsen, wenn das Wasser ohnehin verlässlich an der Oberfläche ankommt. Das Ergebnis ist ein flaches Wurzelsystem, das bei der nächsten Hitzewelle noch anfälliger ist als vorher.
Ein Boden, der zwischen den Wassergaben richtig abtrocknen darf, zwingt Pflanzen dazu, ihre Wurzeln weiter nach unten zu schicken, dorthin, wo auch in trockenen Phasen noch Feuchtigkeit gespeichert ist. Diese Pflanzen kommen langfristig deutlich besser mit Trockenheit zurecht als solche, die an tägliche kleine Wassergaben gewöhnt wurden. Bei mir im Garten sieht man das inzwischen deutlich: Die Beete, die ich seit Jahren nur noch selten, dafür aber gründlich gieße, stehen selbst nach einer Woche ohne Regen noch aufrecht, während frisch gepflanzte Ecken viel schneller die Blätter hängen lassen.
Der richtige Zeitpunkt
Der frühe Morgen ist die beste Zeit zum Gießen. Der Boden ist noch kühl, die Verdunstung gering, und das Wasser hat Zeit, tief einzusickern, bevor die Mittagssonne einen großen Teil davon wieder verdampfen lässt. Blätter, die morgens nass werden, trocknen im Laufe des Tages ab, was Pilzkrankheiten vorbeugt.
Und die Photosyntheserate, die mit der Sonneneinstrahlung bald wieder steigt, hat frisch Wasser zur Verfügung, dann geht der Stoffwechsel richtig los.
Abendliches Gießen gilt zwar ebenfalls als möglich, hat aber einen Nachteil: Feuchte Blätter, die über Nacht nicht abtrocknen, bieten Pilzsporen deutlich bessere Bedingungen. Bei Pflanzen, die ohnehin anfällig für Mehltau oder andere Pilzerkrankungen sind, macht sich das nach einigen Wochen bemerkbar. Wer nur abends Zeit hat, sollte zumindest direkt am Boden gießen und die Blätter dabei möglichst trocken lassen.
Seltener und dafür durchdringend
Statt jeden Tag ein wenig zu gießen, ist es sinnvoller, zwei- bis dreimal pro Woche gründlich zu wässern. Gründlich bedeutet, dass das Wasser mindestens zwanzig bis dreißig Zentimeter tief in den Boden eindringt. Bei den meisten Böden lässt sich das mit einer einfachen Probe prüfen: Ein Spaten oder ein Stock zeigt, wie weit die Feuchtigkeit tatsächlich vorgedrungen ist.
Wie viel Wasser das konkret bedeutet, hängt vom Bodentyp ab. Sandige Böden lassen Wasser schnell durch und müssen häufiger, dafür in kleineren Mengen gegossen werden. Lehmige Böden speichern Wasser besser, brauchen dafür aber Zeit, damit es überhaupt einsickern kann, statt oberflächlich abzufließen. Wer seinen Boden kennt, kann das Gießen entsprechend anpassen, statt sich starr an eine Regel zu halten.
Mulch als unterschätzter Wasserspeicher
Eine Mulchschicht aus Rasenschnitt, Laub, Stroh oder Rindenmulch reduziert die Verdunstung aus dem Boden erheblich. Unter einer fünf bis acht Zentimeter dicken Mulchschicht bleibt der Boden spürbar länger feucht als bei offener Erde, die der Sonne direkt ausgesetzt ist. Gleichzeitig hält Mulch den Boden kühler, was wiederum das Bodenleben schützt, das bei zu hohen Temperaturen seine Aktivität einstellt.
Wenn du im Hochsommer regelmäßig gießen musst, solltest du zuerst prüfen, ob eine Mulchschicht fehlt, bevor mehr Wasser als eigentliche Lösung in Betracht gezogen wird. Oft lässt sich der Wasserbedarf allein durch eine gute Mulchdecke spürbar senken.
Hier geht es zu Serie über Mulch.
Welche Pflanzen wirklich Hilfe brauchen und welche nicht
Nicht jede Pflanze im Garten braucht im Sommer zusätzliches Wasser. Frisch gepflanzte Stauden, Gehölze und Gemüse mit flachem Wurzelsystem sind auf Unterstützung angewiesen, solange sie noch keine ausreichend tiefen Wurzeln entwickelt haben. Das betrifft in der Regel alles, was innerhalb der letzten ein bis zwei Jahre gepflanzt wurde.
Etablierte, standortgerechte Pflanzen, insbesondere heimische Stauden und Gehölze, die seit mehreren Jahren am selben Platz wachsen, kommen dagegen oft ganz ohne zusätzliches Gießen aus, selbst in längeren Trockenphasen. Sie haben ihr Wurzelsystem über Jahre an den Standort angepasst. Wer beim Pflanzen von Anfang an auf standortgerechte Arten setzt, reduziert den Gießaufwand im Sommer damit dauerhaft und über eine einzelne Saison hinaus. Was für mich hinter dieser Idee steht, beschreibe ich ausführlicher in meinem Artikel Naturnah gärtnern ohne Druck: ein Garten, der zum Standort passt, macht am Ende einfach weniger Arbeit.
Regenwasser sammeln
Eine Regentonne gehört zu den unaufwendigsten Maßnahmen, um im Sommer weniger Leitungswasser zu verbrauchen. Schon eine mittelgroße Tonne an einem Fallrohr sammelt bei einem einzigen kräftigen Regen mehrere hundert Liter, die dann für die trockenen Tage danach zur Verfügung stehen. Regenwasser hat außerdem den Vorteil, dass es kalkärmer ist als die meisten Leitungswasser, was besonders kalkempfindlichen Pflanzen wie Rhododendren oder Hortensien zugutekommt.
Wer noch keine Regentonne hat, findet inzwischen platzsparende Modelle auch für kleine Gärten und Balkone. Der Aufwand für die Installation ist gering, der Effekt über eine ganze Saison hinweg spürbar. Bei mir stehen mittlerweile drei Tonnen an verschiedenen Fallrohren, und in einem durchschnittlichen Sommer komme ich damit fast ohne den Wasserhahn aus.
Zu guter Letzt
Gießen im Hochsommer ist für mich weniger eine Frage der Menge als eine Frage der Methode geworden. Der richtige Zeitpunkt, ein durchdringendes statt oberflächliches Wässern, eine gute Mulchschicht und die bewusste Auswahl standortgerechter Pflanzen sparen zusammen deutlich mehr Wasser, als sich durch tägliches Gießen je erreichen lässt. Ein Garten, der so bewässert wird, entwickelt über die Jahre ein Wurzelsystem, das mit Hitzeperioden von Jahr zu Jahr besser zurechtkommt. Welche typischen Fehler im Juli sonst noch häufig passieren, darunter auch beim Gießen, habe ich in meinen Garten-Dont’s im Juli zusammengefasst.

