Schatten im Hochsommer

Gerade brezelt die Sonne von morgens bis abends einfach durch, das merke ich ziemlich schnell am eigenen Leib. Die Luft steht, der Boden bleibt warm bis in den Abend, und so viele suchen sich intuitiv einen schattigen Platz. Fast alle Lebewesen im Garten tun das genauso, ok, nur Hunde und Katzen interessiert das herzlich wenig, die legen sich auch bei praller Mittagssonne einfach hin. Bei den Pflanzen ist das anders: Sie können sich nicht einfach wegsetzen, für sie entscheidet der Standort, ob sie die Hitzewelle gut übersteht oder komplett schlappmacht.

Der nahe liegende Impuls ist, jetzt sofort etwas zu machen, Irgendwas, hauptsache etwas machen, wie zum Beispiel Ich halte davon wenig. Ein Baum oder Strauch, der mitten im Hochsommer gepflanzt wird, steht unter doppeltem Stress: neue Wurzeln bilden und gleichzeitig Hitze und Trockenheit aushalten. Das kostet Kraft, Wasser und oft auch Nerven, meine eigenen eingeschlossen. Sinnvoller ist es, die Hitzewellen zu nutzen und eine Bestandsaufnahme zu machen, wo im Garten Schatten fehlt.

Warum Schatten den Pflanzen wirklich hilft

Schatten senkt die Bodentemperatur oft um mehrere Grad. Das klingt erstmal banal, wirkt sich aber direkt auf das Bodenleben aus. Regenwürmer, Mikroorganismen und Pilzgeflechte arbeiten nur in einem bestimmten Temperaturbereich zuverlässig. Wird der Boden zu heiß, ziehen sie sich in tiefere Schichten zurück oder stellen ihre Arbeit vorübergehend ein, und genau dieses Bodenleben sorgt dafür, dass Nährstoffe überhaupt verfügbar bleiben.

Auch die Pflanze selbst profitiert direkt. Blätter in praller Sonne verdunsten deutlich mehr Wasser, um sich selbst zu kühlen. Diese Energie fehlt dann für Wachstum und Blüten. Im Schatten oder Halbschatten reduziert sich dieser Verlust spürbar, der Boden bleibt länger feucht, und die Pflanze kann ihre Kraft in Wurzeln, Blätter oder Früchte stecken statt in reine Verdunstungsarbeit.

Und ja, auch Pflanzen können Sonnenbrand bekommen!

Jetzt beobachten

An heißen Tagen zeigt der Garten so deutlich wie sonst selten, wo es wirklich hakt. Welche Beete liegen mittags komplett in der Sonne? Wo hängen die Blätter schon vormittags? Welcher Sitzplatz wird ab 14 Uhr unbenutzbar? Ich gehe an solchen Tagen bewusst durch den Garten und notiere alle Stellen, die ich mir auffallen – denn im Herbst kann ich mich nicht mehr daran erinnern.

Genauso wichtig ist zu sehen, wo Schatten schon jetzt gut funktioniert. Unter dem alten Apfelbaum bleibt der Boden bei mir spürbar kühler und feuchter als zwei Meter weiter im offenen Beet. Diese Unterschiede fallen im Frühling oder Herbst kaum auf, im Hochsommer sind sie unübersehbar. Genau deshalb ist jetzt der beste Moment, sie festzuhalten.

Was sich ebenfalls beobachten lässt: Sonnenhungrige Pflanzen wie Tomaten, Rosen oder mediterrane Kräuter brauchen mindestens sechs, besser acht Stunden direktes Licht am Tag, sonst wachsen sie schwach und werden anfällig für Pilzkrankheiten. Wenn du siehst, dass genau diese Pflanzen bei dir schon jetzt zu wenig Sonne bekommen, ist das ebenfalls eine Notiz wert, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: dort braucht es im Herbst eher einen Rückschnitt der Nachbarpflanzen als zusätzliche Beschattung.

Vorfreude auf den Herbst

Bäume und Sträucher, die im Herbst gepflanzt werden, profitieren von feuchterem Boden und noch sommerwarmen Bodentemperaturen. Die Wurzeln können sich über den Winter in Ruhe entwickeln, ganz ohne den Druck, gleichzeitig Blätter und Triebe zu versorgen. Bis zum nächsten Sommer steht die Pflanze deutlich stabiler da, als es bei einer Pflanzung im Hochsommer je möglich wäre.

Für die Umsetzung im Herbst lohnt sich außerdem ein Blick auf das Gießen im Hochsommer. Und falls du grundsätzlich hinterfragen willst, welche Gartenregeln wirklich stimmen und welche nur oft wiederholt werden, passt Die 5 größten Denkfehler der Gartenbranche gut dazu.

Lass Schatten wachsen

Wenn du deine Liste gemacht hast, such dir ein ruhiges Plätzchen und fühle den Sommer. In 5 Monaten ist schon wieder Weihnachten.

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