Die 5 größten Denkfehler der Gartenbranche

Wer heute im Internet nach Gartenkursen oder Gartentipps sucht, findet eine erstaunliche Menge an Angeboten. Es gibt Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Pflanzpläne, Gemüsesamenabos, Gestaltungskonzepte und ganze Garten-Akademien.

Auf den ersten Blick wirkt das alles hilfreich. Doch wenn Du genauer hinsiehst, kannst Du ein Muster erkennen: Viele dieser Angebote folgen denselben Annahmen darüber, wie ein Garten funktioniert. Und genau diese Annahmen führen häufig dazu, dass Menschen im Garten unsicher werden oder das Gefühl haben, ständig etwas falsch zu machen oder nicht hinterherzukommen.

Dabei liegt das Problem meist nicht bei den Gärtnerinnen und Gärtnern selbst. Es liegt daran, wie Gartenwissen vermittelt wird.

Im Folgenden zeige ich Dir fünf Denkfehler, die in der Gartenbranche sehr verbreitet sind und die erklären, warum viele Menschen trotz aller Tipps nicht wirklich entspannt gärtnern.

Denkfehler 1: Der Garten wird wie ein Projekt behandelt

Viele Gartenangebote sind aufgebaut wie ein Bauprojekt. Da sehen die typischen Abläufe ungefähr so aus:

  • Garten planen
  • Beete anlegen
  • Pflanzen setzen
  • Pflege durchführen
  • Ergebnis genießen

Das klingt irgendwie logisch. Schließlich wollen wir im Garten ja etwas gestalten, sagt man ja auch so: Gartengestaltung, oh, das ist hier aber schön gestaltet.

Der Haken ist nur: Ein Garten funktioniert nicht wie ein Bauprojekt aus Lego. Er ist ein lebendes System, das sich ständig verändert: Pflanzen wachsen, Böden entwickeln sich, Tiere ziehen ein oder verschwinden wieder. Wetter und Jahreszeiten verändern die Bedingungen jedes Jahr aufs Neue.

Deshalb ist ein Garten nie „fertig“.

Wenn Du mit der Erwartung arbeitet, irgendwann müsse alles abgeschlossen sein, baust Du Dir Deine eigene Dauerbaustelle „Garten“. Mein Ansatz ist eher in die Richtung: Der Garten ist ein Prozess, wie das Leben selbst.

Denkfehler 2: Gartenarbeit wird als dauernde Aktivität verstanden

In vielen Gartenratgebern entsteht der Eindruck, dass man im Garten ständig etwas tun muss.

Es wird geschnitten, gedüngt, neu gepflanzt, umgegraben, nachgebessert und optimiert. Die Liste möglicher Arbeiten scheint endlos.

Natürlich gehört Pflege zum Garten dazu. Doch viele stabile und artenreiche Gärten entstehen nicht durch möglichst viele Eingriffe, sondern durch wache Beobachtung und kluge Führung.

Oft reicht es, einige grundlegende Prozesse zu verstehen:

  • Wie entwickelt sich der Boden vor Ort?
  • Welche Pflanzen regulieren sich selbst?
  • Wo entstehen natürliche Gleichgewichte?

Mit diesen Zusammenhängen verändert sich der Blick auf die Gartenarbeit. Ab jetzt wird also MIT den Prozessen gearbeitet, das macht viel mehr Freude, glaube mir! Ich gehe sogar noch weiter: Ich glaube, dass wir es verlern haben, dass es auch mal genug ist. – Ich lasse das jetzt mal so stehen.

Denkfehler 3: Pflanzen werden einzeln betrachtet

Ein weiterer verbreiteter Ansatz ist, Pflanzen isoliert verstehen zu wollen.

Man findet zum Beispiel Informationen wie:

  • So pflegst Du Lavendel
  • So wächst Salbei
  • So düngst Du Tomaten

Diese Informationen sind prinzipiell nicht falsch, nur greifen sie oft zu kurz, denn im Garten wächst keine Pflanze für sich allein. Sie wachsen immer in Gesellschaft, mal in großer Gesellschaft, mal in kleinerer, aber nie alleine.

Pflanzen reagieren immer auf:

  • den Boden
  • das Wasserangebot
  • das Licht
  • die Nachbarpflanzen
  • das Mikroklima

Ein Lavendel kann im einen Garten wunderbar gedeihen und im nächsten dauerhaft kümmern obwohl er dort genauso nach der gleichen Anleitung aus dem gleichen Heftchen gepflegt wird.

Der entscheidende Unterschied liegt weniger in der richtigen oder falschen Pflege, häufiger kommt es darauf an, ob das Zusammenspiel der Bedingungen passt.

Vielleicht ist es an der Reihe, dass Du der erste und beste Beziehungsberater für Deinen Garten wirst.

Denkfehler 4: Der Standort wird unterschätzt

Viele Gartentipps sind so allgemein formuliert, dass die Beispiele genau so allgemein ausfallen:

  • Diese Pflanzen sind besonders pflegeleicht.
  • Diese Mischung funktioniert immer.
  • Dieses Beet ist ideal für Anfänger.

Doch der wichtigste Faktor im Garten ist der Standort. Und mit Standort meine ich:

  • Bodenstruktur
  • Feuchtigkeit
  • Lichtverhältnisse
  • Wind
  • regionale Temperaturen

Und, nein, damit meine ich nicht, angekarrte Muttererde. Die ist wie das Pusten auf eine Wunde: Ist nett, aber im Endeffekt unwichtig für die wirkliche Wunde.

Ein Garten mit sandigem Boden und voller Sonne, zum Beispiel, funktioniert völlig anders als ein halbschattiger Garten auf schwerem Lehmboden. Natürlich liegen zwischen diesen beiden Beispielen eine Menge an weiteren Variationen: am Hang, mit Schlagschatten, unter Bäumen, mit Staunässe, mit starkem Dauerwind, steinig, …

Deshalb können allgemeine Empfehlungen nur begrenzt funktionieren. Also, wenn Du den eigenen Standort verstehst, werden viele Entscheidungen im Garten plötzlich sehr viel einfacher. Es gärtnert sich dann leichter und die Erfolge sind dann auch einfach schöner. Lies Dich dazu gerne durch Naturnah gärtnern ohne Druck.

Denkfehler 5: Der Garten wird als Deko angesehen

Viele Gartengesuche und auch -angebote konzentrieren sich stark auf Gestaltung. Und auf ganz viele Produkte, die man dringend im Garten braucht. Ich nenne dieses Phänomen: Gardenwashing

Es geht um:

  • Pflanzdesign
  • Farbkonzepte
  • Beetstrukturen
  • harmonische Kombinationen

Gestaltung ist natürlich ein Teil des Gartens, immer. Die Art der Gestaltung ist das i-Tüpflechen im ganzen Gartenprozess und spiegelt die Menschen wieder, die darin leben und wohnen. Wie sie denken, welche Werte sie vertreten, manchmal auch, woher sie kommen.

Doch ein Garten ist in erster Linie ein Lebensraum und ein Zusammenspiel aus vielem. Und während wir uns Gedanken um eine „schöne (naturnahe) Gestaltung“ machen, arbeiten permanent:

  • Bodenorganismen
  • Pilzgeflechte
  • Insekten
  • Mikroorganismen
  • und das Klima

Sie beeinflussen Wachstum, Nährstoffe und Stabilität des gesamten Gartens.

Mit dem Betrachten des Gartens als Lebensraum, verschiebt sich der Fokus. Wie dringend brauchen wir ein perfektes Gartenbild? Die funktionierende Beziehungen zwischen Boden, Pflanzen und Tieren gibt einiges vor, mit diesen Angeboten kann gespielt werden und dann ergibst sich eine Gestaltung oft wie von selbst, auch wenn sie nicht so aussieht wie im letzten Hochglanzmagazin.

Was Gartenanfänger wirklich brauchen

Nimm mal diese fünf Denkfehler zusammen. Dann zeigt sich ein interessantes Muster.

Viele Gartenangebote vermitteln vor allem Anleitungen:

  • so legst Du ein Beet an
  • so pflanzt Du richtig
  • so pflegst Du Deine Pflanzen

Das kann ich gerade mal abkürzen: Beet anlegen: Rasensode weg, und schon ist das Beet da. Loch in den Boden, Pflanzenballen rein, fertig gepflanzt. Fast so einfach geht es.

Doch ich glaube, viele Menschen suchen eigentlich etwas anderes.

Sie möchten verstehen:

  • warum ihr Garten so reagiert
  • warum manche Pflanzen funktionieren und andere nicht
  • welche Prozesse im Hintergrund ablaufen

Und vielleicht wollen sie auch erst einmal wissen, was sie eigentlich wollen – oder in Pflanzensprache übersetzt: Was sie in ihrem überhaupt erwarten können.

Dieses Verständnis verändert den Blick auf den Garten grundlegend.

Man arbeitet nicht mehr nach Rezepten, sondern entwickelt ein Gefühl für Zusammenhänge. Genau dort entsteht oft die größte Sicherheit im Garten.

Ein anderer Blick auf den Garten

Ein Garten muss kein Projekt sein, das irgendwann abgeschlossen ist.

Er kann auch ein Ort sein, an dem man beobachtet, versteht und Schritt für Schritt mit den natürlichen Prozessen arbeitet. Am entspanntesten ist es, wenn Du Dich dem Garten von der fragenden Seite näherst und mit ihm Antworten findest.

Dann werden Entscheidungen einfacher, Arbeit reduziert und Pflanzen finden ihre passenden Plätze. Und ganz nebenbei entwickelt der Garten eine eigene Stabilität.

Genau dafür habe ich den Onlinekurs Naturnah Gärtnern entworfen: Mit dem passenden Wissen, kannst Du Deinen Garten – und Dich selbst – bei Wachsen begleiten.

Viel Freude beim Zusammenarbeiten mit der Natur.

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