Wenn nichts mehr drängt
Und es gibt den Dezember im Garten: Alles steht still, zumindest an der Oberfläche. Tage sind kurz, das Licht flach, Farben treten zurück, manchmal wird es sogar frostig. Als Berlinerin kenne ich Schnee kaum. In anderen Regionen soll das anders sein.
Der Dezember fühlt sich oft endgültig an, die Prozesse sind zur Ruhe gekommen sind, dass man meinen könnte, alles sei gestorben.

Der Dezember im phänologischen Kontext
Phänologisch liegt der Dezember wirklich im Winter. Unsere Gehölze befinden sich in tiefer Knospenruhe, der Stoffwechsel ist auf ein Minimum reduziert: Wachstum findet nicht statt, vielleicht nur das von Eisblumen am nicht isolierten Fenster. Die Pflanzen halten ihre Energie in Speicherorganen verborgen und die oberirdische Aktivität ist eingestellt.
Auch wenn sich oberflächlich wenig zeigt, bleibt der Boden ein lebendiger Raum. Unter Laub, Mulch und Pflanzenresten laufen langsame Abbauprozesse weiter. Das Bodenleben arbeitet ruhig, angepasst an niedrige Temperaturen, einiges ist auch in Winterstarre und wartet auf die wärmende Frühlingssonne. Stillstand ist Teil des Systems in unseren Breitengraden.
Der Dezember als Ruhemonat
Tja, im Dezember gibt es draußen nichts mehr zu tun. Natürlich können noch Zwiebeln gesteckt und Gehölze gepflanzt werden, solange der Boden nicht gefroren ist – oder man macht es einfach nicht und nimmt diesen besonderen Ruhemonat an mit Sperrnächten, Wintersonnenwende, Weihnachtsfest, Raunächte,
Im Dezember geht es um Vorbereitung auf ein Fest im Inneren und um Liegenlassen im Außen. Aufgaben, die das Jahr über wichtig waren, verlieren ihre Bedeutung. Der Garten muss nicht mehr begleitet, nicht kontrolliert oder nicht verbessert werden. Er lässt Dich los und Du darfst auch zur Ruhe kommen. Diese Ruhe ist nicht leer. Sie ist notwendig. Der Garten nutzt diese Phase, um Kräfte zu sammeln und innere Ordnung herzustellen. Vielleicht geht es Dir genau so. Es gehört genau so in den Jahreslauf.
Wichtigste Tätigkeit im Dezember: schützen und abschließen
Der Dezember verlangt keine Entwicklung. Er verlangt Schutz: Schutz für den Boden, für überwinternde Pflanzen, für Strukturen, die das Jahr durchweg am Leben gehalten haben.
- Laub darf liegen bleiben.
- Mulch darf bleiben, wie er ist.
- Pflanzenreste müssen nicht entfernt werden, solange sie stabil sind.
Der Garten braucht jetzt keine Ordnung mehr im äußeren Sinn. Das Gartentörchen darf abgeschlossen werden. Abschluss bedeutet dabei nicht, noch dies und jenes aufzuräumen. Nein, alles, bleibt einfach so, wie es ist.
Wetter, Boden und ihre Wechselwirkungen
Der Dezember bringt Kälte, Nässe oder Frost. Selbstverständlich wirkt die Witterung direkt auf Boden und Pflanzenreste. Gefrorene Phasen wechseln sich mit Tauwetter ab. Der Boden reagiert langsam oder schläft einfach weiter..
Der Garten reguliert sich selbst, solange er in Ruhe gelassen wird. Der Dezember macht sichtbar, wie wichtig es ist, Prozesse nicht zu stören, gerade, wenn die Außenbedingungen so extrem sind.
Innere Haltung im Dezember-Garten
Der Dezember ist eigentlich absolute Ruhe angesagt: Ausruhen, Auftanken, Aufatmen. Der Garten macht das sehr klar: Er zieht sich zurück, Stück für Stück, übrigens ohne es anzukündigen. Es macht es einfach und ist darin unaufhaltsam.
Und während draußen alles langsamer wird, fühlt sich das Leben für viele Menschen genau jetzt oft nicht ruhig an. Das Jahr ist eigentlich vorbei, aber es hört noch nicht auf. Die Luft ist vielleicht nach den vergangenen 12 Monaten raus aber Termine, Erwartungen, Familie, unterschiedliche Formen von Nähe, manchmal auch Einsamkeit, alles drängt und hängt gleichzeitig in der Luft. Je größer die Diskrepanz zwischen Ruhe in der Natur und aufgesetzte Bewegung im Alltag wird… desto größer könnte der Weihnachtsstress ausfallen.
Der Garten bildet dazu einen stillen Gegenpol. Er erinnert daran, dass Rückzug kein Fehler, ja, sogar normal ist. Dass Dinge ruhen dürfen, ohne dass man sie erklären oder einordnen muss. Im Dezember braucht er keine Aufmerksamkeit. Er braucht Zeit. Und er kommt damit gut zurecht.
Mir tut diese Zeit sehr gut. Die Sperrnächte geben dem Jahr einen leisen Rahmen zum Abschied nehmen: Einfach zurückschauen, Monat für Monat, manches abschließen, anderes liegen lassen. Dann kommt die Wintersonnenwende. Ich glaube, die wenigsten Menschen haben sie auf dem Schirm. Weihnachten ist mehr im Fokus, gefolgt von den Raunächten.
Ob wir wohl wieder zum Nachfühlen in Ruhe kommen? Ich bin überzeugt: Ja.
Einordnung im Jahresverlauf
Der Dezember markiert den Abschluss des Gartenjahres. Er steht nicht am Anfang eines neuen Zyklus, sondern am Ende eines langen Weges. Mit ihm schließt sich der Kreis. Um die Wintersonnenwende sind wir in den dunkelsten Tagen.
Was im Dezember sinnvoll möglich ist und wo der Garten vollständig in Ruhe gelassen wird, findest Du in den Garten-To-dos im Dezember und den Garten-Don’ts im Dezember.
Garten-To-dos und Don’ts im Dezember
- Gärtnern im Jahresverlauf: Überblick und Zusammenhänge
- phänologischer Kalender: als fachliche Grundlage
- Garten-To-dos im Dezember
- Garten-Don’ts im Dezember

