Ja, wir haben Winter. Nach dem Rückzug im November ist nun auch die letzte Bewegung aus dem Garten verschwunden. Sichtbar passiert fast nichts mehr. Genau das macht den Dezember aus: Der Dezember ist der Monat, in dem Nicht-Tun die eigentliche Gartenarbeit ist.
Wenn Du Dir unsicher bist, was jetzt sinnvoll wäre, findest Du das im Gegenstück in den Garten-To-dos im Dezember.
Dieser Artikel hier zeigt Dir bewusst die andere Seite: all das, was Du jetzt besser lässt.
Im phänologischen Jahreslauf befinden wir uns in der tiefen Ruhephase. Der Boden ist kalt, das Bodenleben stark verlangsamt, Pflanzen haben ihre Prozesse abgeschlossen.
Während wir im November loslassen und ordnen geht es jetzt in den vollständigen Rückzug. Wenn Du den größeren Zusammenhang verstehen möchtest, findest Du ihn hier:
Die folgenden Don’ts helfen Dir, den Garten jetzt nicht zu stören und Dich selbst gleich mit.

Don’t 1: Jetzt noch „Ordnung schaffen“
Vertrocknete Stauden, Laub, Samenstände, abgestorbene Pflanzenteile, all das wirkt im Dezember schnell nachlässig, vor allem, wenn noch Schnee darauf liegt. Es ist aber nicht nachlässig! Diese Strukturen:
- schützen den Boden vor Auskühlung
- dienen Insekten als Überwinterungsraum
- bremsen Verdunstung und Erosion
Was jetzt noch „aufgeräumt“ wird, fehlt dem Garten im Januar und Februar. (Oder noch überspitzter: Wer kann für den Erhalt der Insektenwelt sein, wenn er alles steril räumt?)
Don’t 2: Den Boden betreten oder bearbeiten
Nasse oder tauende Böden sind extrem empfindlich. Jeder Schritt, jede „kleine Arbeit“ verdichtet die Struktur genau dann, wenn der Boden sich eigentlich regeneriert. Auch gut gemeintes Lockern, Harken oder Umsetzen schadet mehr, als es nützt. Also einfach lassen.
Im Dezember gilt:
- Beete nicht betreten
- Wege nutzen
- Boden in Ruhe lassen
Die natürliche Frostgare arbeitet für Dich.
Don’t 3: Winterschutz ständig kontrollieren oder verändern
Abdecken, aufdecken, nachjustieren, wieder abdecken, das stresst Pflanzen mehr als ein stabiler, unspektakulärer Schutz, denn mit jedem Öffnen entweicht die Isolation.
Problematisch sind nicht gleichmäßige Kälteperioden, sondern:
- Frostsonne
- Wind
- starke Temperaturschwankungen
Ein einmal gut angebrachter Schutz darf bleiben und kommt wieder ab, wenn die Sonne wieder kommt.
Don’t 4: Neue Projekte starten
Beete neu anlegen, Strukturen verändern, große Pflanzaktionen planen oder umsetzen, das gehört in den Dezember aber nicht in den Garten.
Du kannst jetzt sehr gut Bilanz ziehen, Träume aufschreiben und Dich treiben lassen. Der Garten bleibt davon unberührt!
Notieren, skizzieren, denken: ja.
Handeln: nein.
Don’t 5: Dich selbst antreiben
Der Dezember ist eigentlich kein Monat für Leistung, wenn man von der Weihnachtsvorbereitungsleistung absieht.
Wenn Du jetzt weniger draußen bist, den Garten nur noch aus dem Fenster wahrnimmst oder ihn tageweise ganz vergisst, ist das total stimmig.
Der Garten ist versorgt.
Er braucht Dich gerade nicht.
Don’t 6: Nicht zur Ruhe kommen
Was haben wir doch für ein Glück, dass wir den Winter und den Dezember haben! Mit den Sperrnächten, die am 8. Dezember beginnen, öffnet sich eine Zeit des Innehaltens und Reflektierens. Es ist ein friedliches Zurückschauen, Monat für Monat und öffnet später den Raum für etwas Neues.
Dann kommt Weihnachten nach der Wintersonnenwende. Für viele ist es großes ein Fest, für manche ist es eine Herausforderung und für wieder andere einfach ein Datum im Kalender. Ich mach die Raunächte sehr gerne, diese stillen Tage zwischen den Jahren.
Der Garten ist in dieser Zeit längst vorausgegangen. Er hat sich zurückgezogen, abgeschlossen, losgelassen. Vielleicht können wir ihm darin ein Stück folgen.
Was danach kommt, beginnt nicht im Dezember.
Es beginnt später.
Ganz von selbst.
Jahresabschluss
Es ist völlig in Ordnung, wenn der Garten im Dezember still wird und Du mit ihm.
Wenn Du nicht mehr täglich hinausgehst.
Wenn Du ihn nur noch am Rand wahrnimmst.
Der Dezember verlangt keine Aufmerksamkeit, sondern Vertrauen.
Alles, was jetzt ruht, kommt später tragfähiger zurück.
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Der Garten weiß, was er tut.
Und Du darfst ihm jetzt einfach dabei zusehen – oder auch nicht.
In diesem Sinne: Bleibe grün.wild.wunderbar!
Deine Gunhild
