Wilde Botanicals #31 – Die Graukresse

Es gibt Pflanzen, an denen laufe ich jahrelang vorbei, bis sie mich plötzlich nicht mehr loslassen.

Bei der Graukresse war es genau andersherum. Sie springt mir jedes Jahr wieder ins Auge. Meist im Hochsommer, wenn viele Wiesen bereits verblüht sind und plötzlich ganze Straßenränder, Böschungen oder Bahndämme weiß erscheinen. Aus der Ferne wirkt es fast, als hätte jemand einen feinen Schleier über die Landschaft gelegt.

Gehe ich näher heran, entdecke ich unzählige kleine weiße Blüten. Fast immer ist es dieselbe Pflanze: die Graukresse.

Je häufiger ich sie sah, desto mehr Fragen stellte ich mir. Warum wächst sie oft in solchen Massen? Gehört sie eigentlich hierher? Und was erzählt sie uns über unsere Landschaft?

Ich freue mich, dass Du wieder dabei bist bei meiner monatlichen Pflanzenparade „Wilde Botanicals“. In diesem Format stelle ich Dir jeden Monat eine Pflanze vor, die mich berührt, überrascht oder begleitet hat. Vielleicht willst Du ja auch mal mitmachen?

👉 Hier findest Du die Anleitung zur Blogparade

Wilde Botanicals #31: Die Graukresse

  • Botanischer Name: Berteroa incana (L.DC.
  • Familie: Kreuzblütengewächse (Brassicaceae)
  • Herkunft: Südosteuropa, Westasien
  • Standort: Sonnige, trockene und meist nährstoffarme Böden, Wegränder, Bahndämme, Kiesflächen und Brachen
  • Erstbeschreibung: Zuerst von Carl von Linné mit dem Namen Alyssum incanum beschreiben (1753), später von Augustin Pyrame de Candolle 1821 der Gattung Berteroa zugeordnet.
  • Besonderheit: Die feinen grauen Härchen auf Blättern und Stängeln schützen die Pflanze vor starker Sonneneinstrahlung und Austrocknung. Eine einzelne Pflanze kann mehrere Tausend Samen bilden und dadurch offene Flächen rasch besiedeln, giftig für Weidetiere

Wie komme ich auf die Graukresse?

Die Graukresse gehört zu den Pflanzen, die ich mit gemischten Gefühlen betrachte. Sie ist jetzt einfach überall zu sehen.

Sie stammt ursprünglich aus Südosteuropa und Westasien. Nach Mitteleuropa gelangte sie vermutlich mit Saatgut, Getreide und dem zunehmenden Warenverkehr. Heute ist sie vielerorts fest etabliert und wird oft gar nicht mehr als eingewanderte Art wahrgenommen.

Mich fasziniert daran weniger ihre Herkunft als ihre Geschichte.

Sie zeigt, wie eng Pflanzen und Menschen miteinander verbunden sind. Wir transportieren Erde, bauen Straßen, legen Bahntrassen an und bewegen Waren über Kontinente. Pflanzen reisen dabei oft unbemerkt mit. Manche verschwinden wieder. Andere finden genau die Bedingungen, die sie brauchen. Die Graukresse gehört eindeutig zur zweiten Gruppe. Leider kann sie auch ein Problem werden, das werden wir sehen.

Die Graukresse: Eine Gewinnerin unserer Landschaft

Wenn du die Graukresse einmal erkannt hast, entdeckst du sie plötzlich überall. Vor allem dort, wo Böden offen, trocken und stark gestört sind, also an Straßenränder, Schotterflächen, Baustellen oder Bahndämme. Diese Standorte bieten ihr ideale Bedingungen.

Und solche Standorte sind nichts neues: Flussauen, Wanderdünen oder offene Sandflächen entstanden durch natürliche Dynamik. Heute werden solche Lebensräume immer seltener. Gleichzeitig schaffen wir Menschen neue Rohbodenstandorte, auf denen sich Arten wie die Graukresse hervorragend ausbreiten können.

Deshalb sehe ich sie ein wenig als Spiegel unserer Zeit: Sie nutzt genau die Landschaften, die wir geschaffen haben.

Graukresse im Garten

Sollte die Graukresse in Deinem Garten auftauchen, findest Du sie meist an den trockensten und sonnigsten Stellen. Sie liebt durchlässige Böden, Sand und Kies und kommt erstaunlich gut mit Hitze zurecht.

Feuchte oder schwere Böden mag sie dagegen kaum.

Was bedeutet sie für Insekten?

Ihre vielen kleinen Blüten werden regelmäßig von verschiedenen Wildbienen, Fliegen und Käfern besucht (Es sind allerdings nur wenige und laut Naturadb sind die Insekten nicht auf die Graukresse spezialisiert). Im Hochsommer gibt es sicher genügend Futterpflanzen, da braucht man die Graukresse nicht unbedingt.

Würde ich sie pflanzen?

Nein, auf keinen Fall. Ja, sie ist hübsch. Aber ich kenne genügend heimische Pflanzen, die dieselbe ökologische Funktion erfüllen und dabei besser in unsere natürlichen Pflanzengesellschaften passen.

Wenn ich einen trockenen Naturgarten gestalten würde, kämen bei mir eher Natternkopf, Sand-Thymian, Kartäusernelke, Berg-Sandglöckchen oder Wilde Möhre zum Einsatz.

Taucht die Graukresse von allein auf, schaue ich sie mir auch gar nicht gerne an. Sie kommt raus oder in den nächsten Juli-Blumenstrauß. So einfach ist das.

Und wenn sie einmal da ist, ist sie da: Während sie oben noch blüht, fruchten in den unteren Reihen schon die Samen in den Schötchen. Bei ihr läuft alles parallel, dadurch ist sie so ausbreitungsstark.

Erstaunlicher Weise gibt es nur sehr wenige, weiterführende Berichte über die Graukresse. Sie wächst halt.

In diesem Sinne:

Bleibe grün.wild.wunderbar

Deine Gunhild


Du möchtest auch eine Pflanze aus Deinem Alltag vorstellen? Die Anleitung liest Du hier.

Deine Wilden Botanicals!

Du hast auch einen Blog und schreibst gerne? Vielleicht hast du auch ein Pflanze, die dich sehr beschäftigt, dann teile sie hier gerne.

Bitte schreibe Deinen Vornamen – Deine Pflanze (Beispiel: Gunhild – Graukresse) und verlinke direkt Deinen Blogartikel.

Bitte beachte: Dieses Tool kann KEINE Umlaute oder Sonderzeichen darstellen. Du hast einen Umlaut in deinem Namen? Bitte schreibe ihn als ae, oe oder ue um.

(Ja, Du hast Recht, dieses Kästchen ist auf englisch und es sieht nicht sexy aus – das ist aber zur Zeit die beste Lösung und sie funktioniert!)


Teile den Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Aktuelle Beiträge

Trage Dich kostenlos für die Wald- und Wiesenpost ein, und erhalte regelmäßig die neusten Informationen.

Kletterrosen-Ratgeber

🌸 Deine Rose wird blühen
🌸 mit Abbildungen und Beispielen
🌸 inklusive Jahresplan
🌸 einmalig 15 €

sofort verfügbar · als PDF zum Download