Garten im Hochsommer: Warum weniger tun jetzt oft das Klügere ist

Es ist heiß. Und wenn die Hitze kommt, machen viele von uns instinktiv das Gegenteil von dem, was gerade guttut. Wir gießen öfter, wir greifen mehr ein, wir sorgen uns mehr: Wir werden panisch.
Dabei ist der Hochsommer oft genau der Moment, in dem weniger zu tun der bessere Weg ist, für den Garten und für uns selbst.

In diesem Beitrag möchte ich Dir nicht noch eine Liste mit Sommer-Tipps geben. Ich möchte Dir zeigen, warum viele der üblichen Reaktionen auf Hitze gar nicht helfen, und was stattdessen wirklich entlastet.

Vieles davon ist Frühlings-Aktionismus

Ein großer Teil der Mühe, die uns der Garten jetzt macht, ist gar nicht in der Hitze entstanden, sondern schon im Frühling. Das viele Gießen, das gründliche Abräumen und das frühe Eingreifen in Wachstumsprozesse, die wir gar nicht verstehen. Im Mai fühlt sich all das nach guter Gartenpflege an. Im Hochsommer trägt dieser Aktionismus dann seine Rechnung.

Und da ist noch etwas, das wir uns selten eingestehen: Wir wissen nie, wie das Wetter wird. Wir sind keine Hellseher. Der eine Sommer ist nass, der nächste verdorrt. Genau deshalb wirkt ein Garten, der mit weniger auskommt und Schwankungen aushält, im Sommer der friedlicher. Dann haben wir einen Garten, der nicht ständig gerettet werden muss, dann haben wir einen Garten, der auch unabhängig von uns leben kann.

Gießen ist die häufigste gut gemeinte Falle

An heißen Tagen greifen viele jeden Abend zum Schlauch und geben ein bisschen Wasser. Das beruhigt vor allem das eigene Gewissen. Nur kommt dieses Wasser bei Hitze meistens gar nicht bei den Wurzeln an. Es bleibt in der obersten, heißen Bodenschicht, verdunstet über Nacht und die Pflanze bleibt genauso durstig wie vorher.

Was hier eigentlich passiert: Wir gießen für uns, nicht für die Pflanze. Wer seltener gießt, dafür aber richtig, sodass der Boden wirklich tief durchnässt ist, erreicht das Gegenteil. Die Wurzeln wachsen in die Tiefe, dorthin, wo es auch bei Hitze noch feucht und kühl ist. Und am besten geht das früh am Morgen, bevor die Sonne kommt.

Nackter Boden ist keine Ordnung, sondern eine offene Wunde

Viele von uns haben gelernt, dass dunkle, geharkte Erde ein Zeichen guter Gartenpflege ist. Nackte Erde ist ein Zeichen von Ordnung und Kontrolle. In einem heißen Sommer ist offener Boden aber vor allem ungeschützt. Er trocknet schneller aus, heizt sich in der Sonne stark auf und verliert die Struktur, die Wurzeln gerade jetzt brauchen. Frag mal die Mikroorganismen, ob die da noch leben wollen…

Eine schützende Schicht aus Rasenschnitt, Laub oder was sonst gerade anfällt hält den Boden kühl und die Feuchtigkeit dort, wo sie gebraucht wird. Das muss nicht ordentlich aussehen, um zu wirken. Und ganz nebenbei stellt sich die schöne Frage: Wessen Ordnung ist das eigentlich, die des Gartens oder unsere?

Welke Blätter am Mittag sind meist kein Notfall

An heißen Mittagen lassen viele Pflanzen die Blätter hängen oder rollen sie ein. Sofort ist die Sorge da, dass etwas grundlegend schiefläuft, und der Griff zur Gießkanne ist nah. In den meisten Fällen ist das Selbstschutz. Die Pflanze reduziert ihre Verdunstung, um durch die heißeste Zeit des Tages zu kommen. Am kühlen Abend oder frühen Morgen steht sie oft wieder aufrecht da.

… oder die Pflanzen stehen an dem falschen Standort – und da hilft ständiges Gießen auch nicht.

Der Rasen darf länger bleiben, gerade jetzt

Kurzes, gleichmäßiges Grün gilt für viele als Zeichen eines gepflegten Gartens. Nicht umsonst hat sich um Rasenpflege eine regelrechte Industrie entwickelt – ich nenne das Gardenwashing.

Gerade bei Hitze rächt sich das. Kurz gehaltener Rasen trocknet schneller aus, verbrennt in der Sonne und wird braun. Lange Halme dagegen beschatten den Boden, halten die Feuchtigkeit und bieten allem, was darin lebt, Schutz. Seltener mähen und den Mäher höher einstellen ist im Hochsommer keine Nachlässigkeit, sondern Fürsorge. Und die Instekten haben auch noch einen Lebensraum, das ist doch eine feine Sache.

Kennst du die Petition gegen den Mäh-Wahnsinn im öffentlichen Grün? Hier kannst du unterschreiben: Stoppt den Mäh-Wahn!

Es geht nicht um Tipps, es geht um Zusammenhang

Wenn Du diese Beispiele liest, fällt vielleicht etwas auf: Es sind keine neuen Tricks, sondern immer dieselbe Einsicht. Der Garten reguliert sich in der Hitze besser, als wir es mit ständigem Eingreifen könnten. Unsere Aufgabe ist seltener das Tun und öfter das Verstehen.

Wenn Du verstehst, woher diese Impulse kommen, brauchst Du keine Anleitung mehr, die Dir sagt, was zu tun ist. Die Entscheidung triffst Du dann selbst, und meistens ist sie einfacher, als Du denkst. Und wenn Du herausfinden möchtest, welche Art zu gärtnern am besten zu Dir passt, dann mach gern mein Gartenquiz. Es zeigt Dir, welcher Gärtnerinnen-Typ Du bist.

Für heiße Tage habe ich Dir etwas mitgebracht

Ich habe die wichtigsten dieser Entlastungen in einem kleinen, kostenlosen Freebie zusammengestellt: die 7 Garten-Entlastungen für den Hochsommer. Sieben Dinge, die Du an heißen Tagen guten Gewissens lassen kannst, mit einer kurzen Einordnung, was stattdessen hilft, und Platz für Deine eigenen Notizen.

Du bekommst es, wenn Du Dich in meine Wald- und Wiesenpost einträgst, meinen Garten-Newsletter, in dem wir in Verbindung bleiben.

Bleibe grün.wild.wunderbar und komm gut durch die heißen Tage.

Deine Gunhild

Teile den Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Aktuelle Beiträge

Trage Dich kostenlos für die Wald- und Wiesenpost ein, und erhalte regelmäßig die neusten Informationen.

Kletterrosen-Ratgeber

🌸 Deine Rose wird blühen
🌸 mit Abbildungen und Beispielen
🌸 inklusive Jahresplan
🌸 einmalig 15 €

sofort verfügbar · als PDF zum Download