Es gibt Dinge im Garten, die ich irgendwann einfach aufgehört habe zu tun. Ein klassisches Kräuterbeet anzulegen gehört dazu (und ein Beerenbeet und ein – ach, lassen wir das!).
Ob ich keine Kräuter mag? Ach, Quatsch! Ganz im Gegenteil, ich liebe Kräuter! Gerade im Frühling freue ich mich über die ersten frischen Spitzen, die aus dem Boden kommen. Diese ersten Blätter haben eine besondere Kraft, weil sie nach dem Winter wieder frisches Leben in den Garten bringen.
Wenn man sich Kräuter jedoch einmal genauer anschaut, merkt man schnell, dass sie ziemlich eigene Vorstellungen davon haben, wo sie wachsen möchten. Jede Art hat ihre eigenen Standortansprüche, ihre eigene Art mit Wasser, Boden und Licht umzugehen.
Und genau deshalb funktionieren viele klassische Kräuterbeete im Alltag erstaunlich schlecht. Da macht auch eine Kräuterspirale keine Ausnahme.
Warum ein Kräuterbeet oft nicht zu den Pflanzen passt
In vielen Gartenratgebern wird empfohlen, ein ordentliches Kräuterbeet anzulegen. Die Idee klingt zunächst logisch: Alle Kräuter wachsen an einem Ort, sind gut erreichbar und lassen sich bequem ernten. So der Plan.
Wenn man sich jedoch die einzelnen Pflanzen genauer ansieht, merkt man schnell, dass sie völlig unterschiedliche Ansprüche haben.
Die frische Pimpinelle steht selten dort, wo sich eine Schafgarbe wirklich wohlfühlt. Zitronenmelisse wiederum sucht sich gern ihre eigene Ecke im Garten und taucht plötzlich an Stellen auf, an denen man sie gar nicht geplant hat. Und Schnittlauch direkt neben Rosmarin ist ebenfalls keine besonders glückliche Kombination, weil beide völlig unterschiedliche Boden- und Feuchtigkeitsverhältnisse bevorzugen.
So entsteht oft ein sehr ordentlich aussehendes Kräuterbeet, in dem die Pflanzen zwar nebeneinander stehen, aber eigentlich gar nicht wirklich zusammenpassen.
Kräuter wachsen dort, wo der Standort stimmt
Viele Kräuter sind eigentlich Wiesenpflanzen, Ruderalpflanzen oder Saumarten. Sie wachsen natürlicherweise nicht in ordentlichen Beeten.
Mit der Zeit habe ich deshalb aufgehört, Kräuter künstlich zusammenzusetzen. Stattdessen beobachte ich, wo sie sich im Garten von selbst ansiedeln. Und ja, jeder Garten hat verschiedene Ecken und damit verschiedene Kräuterstandpunkte!
Viele Kräuter finden ihren Platz ganz allein. Einige wachsen zwischen den Gräsern, andere am Beetrand oder neben einem Weg. Manche stehen an Orten, die man zunächst gar nicht als typischen Kräuterstandort betrachten würde.






Heute finde ich in meinem Garten zum Beispiel:
Sauerampfer am festgetretenen Wegrand
Gänseblümchen auf der mageren Wiese
Schafgarbe am Beetrand
Brennnessel in der Nähe des Komposts
Pimpinelle dort, wo nach Regen das Wasser abläuft
Löwenzahn in Richtung Kompostplatz
Und natürlich auch Giersch unter der Johannisbeere
Der Garten ist dadurch ganz nebenbei zu einem großen Kräutergarten geworden, ohne dass ich jemals ein klassisches Kräuterbeet angelegt hätte.
Wenn Du übrigens mit dem Giersch kämpfst, dann ist der Artikel „Hilfe, ich habe Giersch!“ genau das richtige für Dich. Und, nein, Du musst nicht allen Giersch in verschiedenen Kochvarianten aufessen!
Der Garten als lebendiger Kräutergarten
Wenn Kräuter im ganzen Garten verteilt wachsen, verändert sich auch der Blick auf den Garten selbst. Die Pflanzen sind nicht mehr Teil eines bestimmten Beetes, sondern Teil des gesamten Lebensraums.
Zwischen Gräsern, am Weg, unter Sträuchern oder an sonnigen Kanten entstehen kleine Kräuterecken, die sich jedes Jahr etwas verändern können. Manche Pflanzen wandern, andere bleiben über viele Jahre an ihrem Platz.
Der Garten wird dadurch weniger geplant und gleichzeitig oft deutlich vielfältiger.
Um die Kräuter ernten zu können muss man nur wissen, wo sie wachsen – und sie auch erkennen. Aber das kann gelernt werden. Dafür ist ja ein Garten auch da.
Frische Wildkräuter direkt aus dem Garten
Gerade im Frühling entsteht daraus ganz nebenbei ein kleiner Kräuterschatz. Wenn ich durch den Garten gehe, entdecke ich viele essbare Pflanzen, die sich wunderbar frisch verwenden lassen.
Ein paar Blätter Sauerampfer, junge Schafgarbenspitzen, Gänseblümchen oder ein paar Blätter Brennnessel landen dann direkt im Brot oder im Salat.
Viele dieser Pflanzen enthalten gerade im Frühling besonders viele Nährstoffe, weil sie nach der Winterruhe wieder kräftig austreiben. Frisch geerntet gelangen diese Stoffe direkt in die Küche.



Naturgemäß gärtnern statt Garten nach Katalog
Für mich gehört genau das zu einem Garten, der leben darf. Pflanzen müssen nicht immer ordentlich sortiert in Beeten stehen, um ihren Platz im Garten zu finden.
Manchmal zeigt der Garten selbst sehr deutlich, wo etwas wachsen möchte. Wenn man beginnt, diese Hinweise wahrzunehmen, verändert sich das Gärtnern. Man arbeitet weniger gegen die Natur und nutzt stattdessen die Dynamik, die bereits im Garten vorhanden ist.
Der Garten wird dadurch entspannter. Und oft auch deutlich vielfältiger. Es lebe das Gärtnern mit den Jahreszeiten!
Vielleicht ist der Garten gar kein Ort, an dem man Pflanzen sortiert. Vielleicht ist er eher ein Ort, an dem man lernt, wo sie wachsen wollen. Und vielleicht hast Du mich genau deswegen gefunden!
Ich gehe jetzt mal Kräuter für ein Kräutersalz sammeln


2 Antworten
Hallo Gunhild,
dein Artikel spricht mir aus der Seele. Ich lasse (Wild)Kräuter auch dort wachsen, wo sie von alleine hinkommen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie dort am robusteten sind und am besten wachsen.
Ich sage immer: „Wenn sie sich dort von alleine angesiedelt und durchgesetzt haben, dann ist das ihr guter Standort. Dann dürfen sie bleiben. Einen besseren finde ich nicht.“
Das klappt nicht nur mit Wildkräutern sondern auch mit klassischen Kräutern. Blühender Schnittlauch schaut zwischen Bartnelken und anderen Nelken-Arten hübsch aus. :-). Die wandernde Zitronenmelisse macht dort ebenfalls eine gute Figur.
Herzliche Grüße
Liebe Sonja,
es freut mich sehr, dass Dir der Artikel gefällt. Dort, wo es den Pflanzen gut geht, dürfen sie ruhig wachsen. Wir können ja unsere Gartenplanung an ihr Wachstum ausrichten. Dann sind alle entspannter, die Pflanzen und wir.
Ich wünsche Dir und Deinen Pflanzen auf jeden Fall einen guten Start in die neue Gartensaison. Mal sehen, welche Überraschungen dieses Jahr für uns bereit hält.
Liebe Grüße, Gunhild