Warum Dein Garten scheitert bevor Du anfängst

Es gibt vier Dinge, die im Garten immer wieder im Weg stehen. Nicht Schädlinge, nicht schlechtes Wetter, nicht der falsche Boden. Es sind fünf Dinge, die wir selbst mitbringen – und die wir, wenn wir sie erst einmal kennen, einfach ablegen dürfen.

Zwischen planen und genießen

Der Perfektionismus

Wir reden alle davon, dass Perfektionismus nicht gut ist. Wir wissen das kognitiv. Und trotzdem passiert es im Garten immer wieder: Ich muss erst planen, bevor ich anfangen darf. Ich brauche erst den richtigen Plan, bevor ich die erste Pflanze einsetze.

Ich war selbst nicht davor gefeit. Ich habe Biogeografie studiert, eine Gärtnerlehre gemacht – und dann gedacht, ich muss noch Landschaftsarchitektur studieren, weil ich ja noch nicht weiß, wie man einen Garten gestaltet. Nach zwei Semestern habe ich aufgehört. Ich habe gemerkt habe: Das Wissen habe ich. Was mir fehlte, war das Vertrauen, es anzuwenden.

Von einem Bleistiftstrich ist noch nie eine Rasenkante gestochen worden.

Ein Plan auf Papier ist Inspiration, ist Kreativität, ist ein Anfang. Aber der Garten entsteht draußen, nicht am Schreibtisch. Und der perfekte Plan, der alle Eventualitäten berücksichtigt, der passt spätestens dann nicht mehr, wenn der erste Frühling kommt und der Garten sich anders verhält als erwartet. Was naturnahes Gärtnern konkret bedeutet – nicht als Konzept, sondern als gelebte Praxis – erkläre ich hier: Naturnah gärtnern

Das Tabula-Rasa-Denken

Eng verwandt mit dem Perfektionismus ist die Idee, dass alles auf einmal passieren muss. Das Haus ist neu, der Garten ist ein leeres Blatt, also kommt der Bagger, alles wird planiert, und aus dem großen perfekten Plan soll sofort Wirklichkeit werden.

Aber wir machen ja auch nicht alles gleichzeitig. Wir schlafen, essen, gehen auf die Toilette, machen eine Reise… alles hat seine Zeit. In der Natur, die wie ein Pendel ständig schwingt und alles in Rhythmen passiert, ist dieses Alles-auf-einmal besonders absurd.

Es ist nicht klug, im Sommer Pflanzen umzupflanzen, die schon länger an einem Standort stehen. Es ist nicht klug, im Dezember Tomaten auszusäen. Der Garten gibt uns Hinweise, wir müssen nur anfangen, sie zu lesen.

Der Vergleich

Ich hatte eine Kundin mit einem Garten unter Eichen. Trocken, schattig, nur ein kleiner Sonnenfleck. Sie war oft in London und hat gesagt: Gunhild, die Straßenbegrünung dort ist so schön: diese Präriegräser will ich auch.

Ich verstehe das. Aber den Garten kann es nicht bieten.

Was wir bewundern, wenn wir in schöne Gärten schauen, sind meistens nicht die Pflanzen selbst. Es ist das Gefühl dahinter. Die Großmutter, die glücklich zwischen ihren Himbeeren wühlt. Die Ruhe, das Aufatmen, das Zuhausesein. Wenn wir das verstehen, löst sich der Vergleich auf, weil wir wissen, dass wir dieses Gefühl in unserem eigenen Garten finden und gestalten können. Klar, das geht nicht immer mit den Pflanzen, aber mit den richtigen, an den Standort angepassten Pflanzen.

Gärten in verschiedenen Ländern, auf verschiedenen Böden, mit verschiedenen Menschen dahinter, lassen sich nicht vergleichen. Impulse holen ist das eine. Aber zu glauben, man könnte einen Garten aus Mallorca nach Brandenburg übertragen, das führt nur zu Frust. Auch wenn die Verführung aus YouTube & Co. so groß ist und es ganz wunderbare Garten-Creator gibt. Meist erzählen sie ihre Sich und ihre Erfahrung – mit ihrem Garten, nicht mit Deinem.

Der Aktionismus

Der vierte Störfaktor ist der Aktionismus. Dieses Hauptsache-irgendwas-machen. Die Kinder stehen bereit, wir haben endlich Zeit, also geht es in den Garten und es muss etwas passieren.

Eine Freundin sagte mir mal: „Ich will keinen Garten, nie wieder! Was ich als Kind unter den Johannisbeerbüschen malochen musste! Das nie wieder, geh mir weg mit Garten! Zwei Blumenkästen auf dem Balkon, manchmal gießen, fertig.“

Ich verstehe das. Und ich glaube, genau dieser Aktionismus war der Grund dafür. Der Garten als Pflichtveranstaltung, als Arbeit, als Leistung kann gerade bei Kindern unschöne Erinnerungen hinterlassen und uns Erwachsene unnütz unter Druck setzen.

Wenn wir mit dem perfekten Plan, dem Tabula-Rasa-Ansatz, dem Vergleich und vollem Aktionismus in den Garten gehen, dann muss der Garten ja schon fast scheitern.

Die Lösung: 20 Minuten

Ich stelle mir den Wecker auf 20 Minuten.

Nicht mehr, nicht weniger. Drei Minuten, um Handschuhe und Schuhe anzuziehen und die Schere zu nehmen. Fünfzehn Minuten im Garten, nur Kleinigkeiten. Dann wieder rein.

Der Perfektionismus hat in dieser Zeit noch gar nicht geschnallt, dass du schon auf dem Weg bist.

Das Schöne dabei ist, dass 20 Minuten eine Zeiteinheit ist und keine Flächeneinheit. Im kleinen Garten bist du schneller durch und schaust mehr hin. Im großen Garten entwickelst du ein Gefühl dafür, was gerade dran ist. Und manchmal kommt man beim vierten Mal raus und weiß gar nicht, was man machen soll. Vielleicht setzt man sich dann einfach hin. Vielleicht ist das der wichtigste Gartenmoment des Tages. Wie ein Garten wirklich pflegeleicht wird – nicht durch mehr Aufwand, sondern durch das richtige Verständnis, erkläre ich hier: Pflegeleichter Garten

(Allein wegen dieser 20 Minuten lohnt sich ein großer Rasen nicht. Lieber bin ich 20 Minuten in den Stauden als 20 Minuten an einer Maschine.)

Der phänologische Kalender: Ruhe durch Naturbeobachtung

Was mir hilft, aus dem Aktionismus und dem Perfektionismus herauszukommen, ist der phänologische Kalender. Was der phänologische Kalender genau ist und wie Du ihn für Deinen Garten nutzt, erkläre ich ausführlich hier: Phänologischer Kalender

Dabei geht es nicht um das Datum im Kalender, also den 21. März als Frühlingsanfang. Für die Pflanzen ist wichtig, ob es 25 Grad hat oder noch minus 10. Das weiß das Datum nicht. Im phänologische Kalender sind stattdessen Gehölze vermerkt und wie sie sich zu welcher Jahreszeit verhalten. Wenn die Haselnuss blüht, beginnt der Erstfrühling. Wenn der Apfel in Vollblüte steht, ist Vollfrühling. Diese Pflanzen reagieren auf Licht, Wärme, Feuchtigkeit und damit auf die wirklichen Bedingungen, nicht auf ein mathematisches Datum.

Wenn ich weiß, woran ich ablesen kann, was gerade passiert, weiß ich auch, was noch warten kann. Der Obstbaumschnitt im Sommer, die Aussaat wenn der Boden warm genug ist, das Mulchen wenn der Boden aufgetaut hat. Das ist keine Esoterik, das ist vielmehr Naturbeobachtung. Und sie bringt Ruhe rein.

Der innere Garten

Ein wichtiger Punkt in der ganzen Gartenplanungsangelegenheit, wach in keiner Gärtnerausbildung gelerht wird, ist der innere Garten.

Der Garten ist ein Resonanzraum. Man geht raus, und manchmal ist man wütend, und der Garten hält das aus. Man geht raus, und manchmal findet man genau dort die Stille, die man den ganzen Tag gesucht hat. Kein Baum rennt irgendwem hinterher. Keine Pflanze kämpft gegen ihre eigene Natur.

Wenn wir aufhören, gegen unseren Garten zu kämpfen, gegen den Boden, den wir haben, die Lage, die nun mal so ist, die Zeit, die wir haben, dann wird der Garten zu dem Ort, der er sein kann und in der Verbindung zu uns selbst, wird er zu unserem Garten.


Im Garten-Bootcamp 2026 haben wir genau das gemeinsam erarbeitet: drei Tage lang mit über 400 Menschen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Wer dabei war, hat jetzt nicht nur ein anderes Verhältnis zu seinem Boden und seinen Pflanzen. Sondern auch zu sich selbst im Garten.

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