Vor lauter technischem Gartenbau, Geräten, Düngern, Pflanzplänen und DIY-Projekten verlieren wir manchmal das Wesentliche aus den Augen: Den Umgang mit Leben. Denn im Garten geht es nicht nur um Pflanzen, es geht immer auch um Haltung, warum und WIE wir etwas tun. Das nennt man Haltung.

Und irgendwann taucht dann ein großes Wort auf, das man im Zusammenhang mit Garten eigentlich gar nicht erwartet: Würde.

Ich bin gerade in den letzten Tagen immer wieder darüber gestolpert und so ist dieser Artikel entstanden.

Gartenphilosophie #1: Die Würde des Menschens und des Gartens gehen Hand in Hand.

Grundlegend: Die Würde des Menschen

Wie steht es so schön in unserem Grundgesetz:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Art 1. (1) GG
Kann hier gerne nachgelesen werden: Gesetze im Internet – Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

Das ist ein erstaunlicher Satz: Er ist kurz. Er ist eindeutig. Und er lässt eigentlich keinen Interpretationsspielraum zu… eigentlich. Und ich frage mich zunehmend: Wer hat diesen Satz eigentlich nicht gelesen, nicht verstanden, nicht auf dem Schirm.

In vielen Bereichen unserer Gesellschaft entsteht gerade der Eindruck, dass dieses Wort immer wieder unter die Räder gerät.

Menschen werden erniedrigt, Grenzen werden überschritten. Es wird eine absurde Täter-Opfer-Umkehr betrieben. Und dass erstaunlich viele Menschen dabei kaum noch ein Unrechtsgefühl zu haben scheinen.

Ich merke, dass mich das beschäftigt. Nicht im Sinne von „Betroffenheit“. Dieses Gefühl mag ich nicht besonders. Es ist mir zu passiv.

Mich interessiert eher die Frage: Was ist hier eigentlich schiefgelaufen?

Beispiele aus der jüngsten zwischenmenschlichen Vergangenheit

In den vergangenen Monaten sind immer wieder Fälle öffentlich geworden, die zeigen, wie schnell Würde verletzt werden kann – und wie schwer es manchen Gesellschaften fällt, darauf zu reagieren.

Einige Beispiele, die international für Aufmerksamkeit gesorgt haben:

  • KI-generierte Deepfake-Pornografie: Frauen werden zunehmend Opfer künstlich erzeugter pornografischer Bilder, die ohne ihr Wissen verbreitet werden. Aktuell geht es um Virtuelle Vergewaltigung bei Fernandes-Ulmen
  • Epstein-Akten: Auch der Komplex um Jeffrey Epstein hat weltweit gezeigt, wie systematisch Macht missbraucht werden kann. Kinder dienen nicht der sexuellen Bespaßung von alten Menschen. „Erwachsen“kann ich sie nicht nennen, wirklich erwachsene Erwachsene machen so etwas nicht.
  • Der Mazan-Fall in Frankreich: Eine Frau wurde über Jahre von ihrem eigenen Ehemann betäubt, während andere Männer sie missbrauchten. Die Scham muss die Seite wechseln!
  • Donald Trump / E. Jean Carroll: Eine Jury sprach der Journalistin Schadenersatz zu, nachdem Trump wegen sexual abuse und Verleumdung zivilrechtlich haftbar gemacht wurde.
  • Digitale Gewalt gegen Frauen: Intime Bilder werden ohne Zustimmung verbreitet oder in Online-Gruppen geteilt. Ermittlungsbehörden sprechen von einem stark wachsenden Problem. Zuletzt wurde eine facebook-Gruppe mit 32.000 Mitgliedern in Italien geschlossen.

Ich lese solche Nachrichten und fragt sich irgendwann:

Wie kann es sein, dass Menschen kein Unrechtsgefühl haben, wenn sie die Würde anderer mit Füßen treten?

Und genau an diesem Punkt gehe ich meistens in meinen Garten. Oder in die Natur. Wenn mir das alles zu ekelig und abstoßend wird. Täter-Opfer-Umkehr ist genau so absurd, wie wenn ich sagen würde: „Kann ich ja nichts dafür, dass der Schmetterling jetzt Kasten liegt. Wäre er mal nicht so schön geworden.“

Ein Garten zeigt, wie wir mit Leben umgehen

Der Garten wirkt auf den ersten Blick unpolitisch: Ein paar Beete, ein paar Pflanzen, ein bisschen Erde unter den Fingernägeln. Und ein Mensch, der darin rumwerkelt.

Aber wer länger gärtnert, merkt schnell: Ein Garten ist nie neutral.

Ein Garten zeigt sehr deutlich, wie jemand mit Leben umgeht.

Ich kann Pflanzen behandeln wie Produktionsmaschinen oder ich kann mit ihnen arbeiten.
Ich kann den Boden ausnutzen oder ich kann ihn pflegen und stärken.
Ich kann Tiere als Störung betrachten oder als Teil eines lebendigen Systems und sie integrieren.

Ja, diese Entscheidungen wirken klein, unscheinbar, lächerlich. Aber in der Summe entscheidet sich im Garten der Ansatz für Leben – Ja oder Nein.

Die Würde der Natur

Im Grundgesetz steht die Würde des Menschen, die Würde der Natur steht dort nicht ausdrücklich.

Und trotzdem spüren viele Menschen sehr genau, dass auch Pflanzen, Tiere und Böden nicht einfach nur „Material“ sind.

Naturnahes Gärtnern bedeutet deshalb nicht nur:

  • weniger Dünger
  • mehr Wildblumen
  • ein paar Insektenhotels

Naturnahes Gärtnern beginnt mit einer anderen Haltung, also mit der Entscheidung, wie respektvoll, würdevoll, achtsam, umsichtig gehe ich mit der Natur um.

Warum Gärten so vielen Menschen guttun

Viele Menschen beschreiben ihren Garten als Schutzraum. Das liegt nicht nur an der Ruhe oder am Grün.

Ein Garten zwingt uns zu einer anderen Geschwindigkeit. Man kann eine Pflanze nicht anschreien, damit sie schneller wächst. Also, schreinen kann man, nützt nur nix.

Man kann einen Boden nicht überlisten, wenn er ausgelaugt ist, auch wenn Dünger das immer wieder versprechen. Schau Dir dazu gerne den Film „We feed the world“ an.

Ein Garten funktioniert nur, wenn man mit ihm arbeitet.

Mit Gärten die Welt retten?

Der Satz klingt groß, fast ein bisschen größenwahnsinnig, und trotzdem glaube ich, dass etwas Wahres darin steckt.

Natürlich löst ein einzelner Garten keine Probleme. Aber im Garten, im Kleinen, wird alles sichtbar:

  • Umgang mit Ressourcen
  • Umgang mit Vielfalt
  • Umgang mit Grenzen
  • Umgang mit Leben

Wenn wir lernen, mit einem Garten würdevoll umzugehen, lernen wir vielleicht auch wieder besser, mit der Welt umzugehen.

Der Garten schenkt Erdung… und Fokus und wird damit zum Spiegel. Darum geht es in dem Blogartikel: Natur als Spiegel: Wachstum und Klarheit finden

Und manchmal reicht genau das, um wieder klar zu sehen. Genau deshalb schreibe ich über naturnahes Gärtnern und gärtnere im Jahresverlauf, damit wir wieder den Zugang zu uns bekommen und uns von niemandem vor den Karren spannen lassen müssen!


Wenn Du Hilfe brauchst

Die Themen in diesem Artikel sind schwer. Wenn Du Dich selbst betroffen fühlst oder Dich eine Situation in Deinem Umfeld belastet, bleib bitte nicht allein damit.

Du kannst Dir Unterstützung holen.

Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016

Das ist kostenlos, anonym und rund um die Uhr erreichbar.
Website: www.hilfetelefon.de

Dort beraten geschulte Fachkräfte Frauen in schwierigen oder bedrohlichen Situationen – auch anonym und auf Wunsch online.

Wenn Du akute Gefahr erlebst, wende Dich bitte direkt an den Notruf 110.

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