12 von 12 im April 2022

Ein Tag mit Ameisen, gebratenem Sailbing, frischer Milch und Osterferien.

Ich bin immer wieder überrascht, wie lebendig ein Tag ist. Bei mir gibt es keine Tage von der Stange. Ob das ein 12. des Monats ist oder ein anderer Tag. Das Leben ist einfach grün.wild.wunderbar!

1 von 12

Deutsch Drahthaarhünding Braja vom Luthegrund stitzt müde auf einem Teppich
1. Braja kann es nicht glauben: So früh raus?

Braja weiß noch nicht, was auf sie zukommt. Ich verrate es schon mal ein bisschen: Wir gehen heute in die Ameisen, denn auf einem Grundstück soll gebaut werden. Es ist bei geschützten Arten wie den Waldameisen gesetzlich vorgeschrieben, dass die ansässigen Ameisen bei einer Baumaßnahme umgesiedelt werden müssen.

Die Grundstückseigentümer brauchen eine sachkundige Person, welche genau weiß, worauf bei einer Umsiedlung zu achten ist. Meine Kollegin ist so eine Person: Magda ist Ameisenschutzwärtin, auch Ameisenschützerin, genannt. Das heißt, sie ist geschult und weiß wann, wo, wie, warum und überhaupt mit Ameisen umzugehen ist. Sie weiß auch, wohin mit den Ameisen. Das ist nämlich auch so eine Sache. Ich begleite sie heute, denn alleine macht das Umsiedeln keinen Sinn: Der Umzug des Ameisenvolkes muss zügig in einem Rutsch erfolgen – will man die Belastung auf das Ameisenvolk möglichst gering halten.

2 von 12

2, Noch ist es zu kalt für die Ameisen.

Der Wecker klingelt um 5:00 Uhr. Wir können uns gemütlich fertig machen: Noch ist es zu kalt für die Ameisen. Für uns heißt es: Früh aufstehen. Ameisen sind im Gegensatz zu uns wechselwarm. Mit den warmen Sonnenstrahlen werden sie aktiv. Wir wollen sie umsiedeln, ehe ihre Glieder warm werden. So können wir mit einem Eingriff so viel wie möglich Ameisen einsammeln und umsiedeln.

Wir hatten Nachtfrost . Ganz so knusprig kalt brauchen wir es nicht bei der Umsiedlung. Denn wir werden nachher das gesamte Volk umsetzen. Dabei werden wir auch die gewärmten Bruträume öffnen. Frostige Temperaturen würden den Eiern zu sehr schaden. Es ist als eine Gradwandernung im anderen Sinne.

3 von 12

3. Hügel der kahlrückigen Waldameise.

Kurz vor sieben kommen wir bei den hügelbauenden Kahlrückigen Waldameisen an. Alle hügelbauenden Waldameisen sind geschützt – und das schon seit mehr als 200 Jahren! Trotz des Schutze gehen die Bestände der Waldameisen zurück. Um so wichtige ist es daher, diesem Volk das Weiterleben zu ermöglichen, wo wir Menschen in den Wald bauen.

Es ist ein flacher Hügel zwischen drei Kiefern. Die neonfarbene Baummarkierung signalisiert: Die Kiefern werden im Zuge der Baumaßnahmen gefällt und die Waldameisen wären platt.

4 von 12

4. Stylisch.

Für uns heißt das: Hosenbeine in die Socken stecken um wenigstens ein klein wenig Schutz zu haben. 😉

Nach der Umsiedlung hat das Volk nun noch genug Zeit, sich am neuen Standort zu etablieren und zu stabilisieren. Denn der nächste Winter kommt bestimmt! Nach Mai werden Ausnahmegenehmigungen für eine Umsiedlung gebraucht – und die Wahrscheinlichkeit, dass das Volk am neuen Standort gut ankommt und mit einem starken Volk in den Winter geht, sinkt rapide.

5 von 12

5. Wie gut, dass es Handschuhe gibt.

Bei der Arbeit am Ameisenhügel – wie auch im Garten – machen sich Handschuhe sehr gut.

Schon beim Öffnen des Hügels, also dem Abtragen der ersten Schicht, dampft uns eine Wolke Ameisensäure entgegen. Diesen Geruch kenne ich von Bergwanderungen mit meinem Großvater. Er legte sein großes Stofftaschentuch auf den Hügel und wartete. Nach einer Weile nahm er das Tuch wieder auf, streifte die Ameisen ab und hielt das Tuch an die Nase und rieb sich das Gesicht. Zur Erfrischung. Gegen Rheuma setzte man sich wohl früher in einen solchen Hügel. Darauf habe ich so richtig keine Lust. Aus verschiedenen Gründen.

6 von 12

6. Das Nest geht hier 100 cm in den Waldboden!

Schicht für Schicht wird das Volk in Baumwollsäcke verstaut. Dabei ist auf die Reihenfolge zu achten. Das überirdisch zierliche Volk hat ein Nest, das 100 m in den Boden geht. Das ist ein Meter voller Ameisen, Eier, Larven und Nistmaterial. Um das Loch ist Sand erkennbar. Das waren nicht wir. Das waren die Ameisen, die das mineralische Substrat nach und nach aus dem Erdboden holten um dort mit Material aus der Umgebung ihre Gänge und Höhlen zu bauen.

Aus diesem Grund sind Ameisen so wichtig für das Ökosystem Wald. Im Grunde für jedes Ökosystem. Ich weiß, dass viele Gartenmenschen über Ameisen im Garten stöhnen. Allerdings sind sie immer die Aufräumer – weil sie bauen und sortieren. Im Garten schaden sie eher nicht – außer den Terrassenplatten. Ok, und bei Blattlauskolonien. Aber das ist ein anderes Thema.

7 von 12

7. Der neue Standort für das Ameisenvolk.

Mit der Schubkarre werden die Ameisensäcke zum neuen Standort gebracht und der Reihe nach hingelegt. Der neue Standort muss sonnig und warm sein. Im Optimalfall gibt es einen morschen Baumstumpf, der als neue Bleibe dient. Den neuen Platz haben wir auf dem gleichen Grundstück gefunden. Wenn das nicht der Fall ist, muss ein neues, passenden Grundstück gefunden, eine Erlaubnis eingeholt und zeitlich länger umgesiedelt werden. Das ist dann nicht so cool.

Zwei Stunden sind wir schon beschäftigt.

Wie gut, dass das Volk zwischen den drei Kiefern gebaut hat und nicht in einem alten Stubben. Sonst hätte es wesentlich länger gedauert mit Graben und Freischaufeln. Muss dieser Aufwand sein? Ja, denn allein so ein Gutachten zu ignorieren, könnte teuer werden. Also doch lieber Umsiedeln lassen, auch wenn so ein Umsiedeln Geld kostet.

Ein Verstoß gegen die Artenschutzbestimmungen werden mit empfindlichen Geldbußen von bis zu 50.000 Euro geahndet .

8 von 12

8. Sind alle Ameisen da?

Natürlich haben wir nicht alle Ameisen mitnehme können. Bald werden hier wieder alle 100.000 bis 5 Millionen Arbeiterinnen leben. Die Kahlrückige Waldameise ist polygyn: : Mehrere Königinnen können in einem Volk zusammen leben.

Magda wird in einer Woche noch einmal vorbeischauen, ob wir nicht eine Königin vergessen haben, die am alten Standort wieder versucht ein neues Volk zu gründen. Dann muss noch einmal Umgesiedelt werden.

Jetzt holen wir das Flatterband raus und sperren diesen Bereich ab. Auch wenn in der Nähe gebaut werden soll, hoffen wir doch, dass dieses Volk hier einen guten Start haben wird.

9 von 12

9. Gesichert, bis die Baumaßnahmen durchgeführt sind.

Als Futterüberbrückung gibt es noch Zucker. Dieser wird rund um den neuen Haufen gestreut. So können die Ameisen sich mit Energie versorgen ohne in dieser Chaos-Zeit groß auf Suche gehen zu müssen.

Ende gut, alles gut?

Für heute passt es hier. Drei Stunden hat es gedauert. Und es war wohl ein entspannter Haufen ohne Holzstubben und viel Fahrerei an einen neuen Standort. Es war allerdings auch kein Ich-fahr-mal-schnell-hin-Termin mit 14 Säcken Ameisen. So ein Ameisenhaufen ist wie ein Eisberg: Die Masse liegt unterhalb!

Bei der Nachkontrolle wird sich dann zeigen, ob die Ameisen diesen Standort angenommen haben. Da wir sehr zeitig im Frühjahr dran sind, sieht das bis jetzt gut aus.

10 von 12

10. Entspannung danach.

Wie gut, dass Ameisen-Umsetzen eine Vormittagsarbeit ist.

Nach getanter Ameisen-Umsetzerei geht es fast in den Nachmittag. Das Herbstkind wird zum Angeln abgeholt. Schließlich sind ja Osterferien und Angeln steht ganz oben auf der Liste.

Für mich heißt es noch ein bisschen Büroarbeit… bis die Fische gefangen sind. Müde und ein bisschen platt nach der Ameisen-Graberei über Kopf im Erdloch ruft mich dann der Grillmeister. Es gibt herrlichen Sailbling mit Kartoffelsalat.

11 von 12

11. Wie schön können Osterferien sein?

Ich kann es kaum fassen: Die Sonne ist mittlerweile so kräftig wie im Sommerurlaub. Ich glaube ja, wir können uns (fast) jeden Tag so schön machen als sei es Urlaub. Dann macht das Leben so viel Freude. Natürlich nach ein bisschen Anstrengung davor mit Ameisensäure und so.

Ach ja, ich bin nicht gebissen worden. Der Socken-Handschuh-Schutz war gut, wir waren früh genug dran und schnell genug mit dem Umsetzen vor der Mittagshitze. Nur eine Ameise hatte sich unter die Kleidung verirrt.

Übrigens ist Essen unter freiem Himmel etwas ganz, ganz Wunderbares!

12 von 12

12. Frische Milch vom Bauern = Luxus

Das denken sich die Kühe hoffentlich/wahrscheinlich auch, von denen wir auf dem Heimweg frische Milch bekommen. Was für ein Geschenkt! Nix ultrahocheritzt. Nix homogenisiert. Nix mikrofiltriert.

Einfach runtergekühlte Milch. Wenn wir sie nicht so schnell getrunken hätten, hätte wir daraus Sauermilch machen können. Oder mal Heiße Schokolade mit richtiger Milch. Erst beim Trinken dieser Milch fällt mir auf, wie anders die Milch aus dem Laden schmeckt.

13 von 12

13. Frisches Wasser für Braja.

Während wir frische Milch genießen, gibt es für Braja noch eine Runde frisches Wasser. Ihre Wasserfreude macht mir Freude. Und sie freut sich, wenn ich mich freue.😁

So irgendwie wird es wohl sein, das Leben mit Hund. Auf jeden Fall mit Freude!

Ich notiere für 28 Wochen alte Drahthaarhündin: Heute das erste Mal eine längere Strecke geschwommen. Weil sie es sollte und weil sie es kann. Toll! Von einem Ufer zum anderen. Vielleicht gehört sie ja doch eher zu den Ottern.

Es könnte sein, dass sie nachher gut schläft.

14 von 12

14. Osterüberraschung im Garten

Der letzte Dienstakt an diesem Tag ist das Losschicken meiner Osterüberraschung für den Garten. Für Deinen Garten? Aber hallo 😃!!

Zu jedem gebuchten Kurs gibt es eine Einheit Direktberatung geschenkt. Als Geschenk für Dich oder zu Ostern an einen lieben Gartenmensch.

Manchmal sind es nämlich die kleinen Fragen und Antworten, die Dich weiter bringen in Deinem Garten und dann läuft es wieder: Die Inspiration, die Freude, die Ernte.

Ich freue mich auf jeden Fall über jeden neuen Garten. Ach ja, Balkone gehen auch. Denn jeder Balkon ist anders! Kannst dazu gerne den Artikel über die Großstadtschluchten lesen.

15 von 12

15. Am Abend eher so.

Und dann ist dieser 12. auch schon wieder vorbei. Mit ein paar mehr Bildern als 12. Das ist ok. Der Tag war ja auch ereignisreich!

Auf die Frage, was heute am Schönsten war, kommt vom Herbstkind müde und glücklich die Antwort: „Ich glaube, das Ameisen-Umsetzen.“

Was für ein schöner Osterferientag mit Ameisen, Saibling und frischer Milch. Und die Osterferien gehen 14 Tage! Wundervoll!

In diesem Sinne: Bleibe grün.wild.wunderbar.

Deine Gunhild

Teile den Beitrag:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Aktuelle Beiträge

Trage Dich kostenlos für die Wald- und Wiesenpost ein, und erhalte regelmäßig die neusten Informationen.

Später ernten

Jetzt Säen

Dein Ratgeber für 0 €