Im Juni läuft der Garten auf Hochtouren. Vieles wächst gleichzeitig, manches schneller, als man reagieren kann, vor allem, wenn man ein paar Tage nicht da war.
Die Garten-To-dos im Juni geben Dir einen guten Überblick darüber, was jetzt unterstützt werden sollte. Die Don’ts setzen an einer anderen Stelle an. Sie zeigen, wo gut gemeinte Eingriffe dem Garten eher schaden, weil Prozesse bereits laufen oder sich gerade stabilisieren.
Wenn Du Deinen Garten als lebendiges System verstehst, lohnt sich dieser Blick besonders. Ein paar Grundlagenüberlegungen findest Du im Artikel Gärtnern im Jahresverlauf.

Don’ts im Gemüsegarten
Pflanzenjauchen weglassen
Pflanzenjauchen gehören im Juni weiterhin in den Garten. Sie jetzt komplett wegzulassen, weil „alles ja schon gut wächst“, ist ein Fehler. Gerade in dieser Phase helfen sie, Pflanzen stabil zu halten und Pilzkrankheiten vorzubeugen.
Entscheidend ist wie sie eingesetzt werden: Es geht nicht um die tägliche Wachstumsdusche! Jauchen werden regelmäßig, gezielt und maßvoll eingezetzt. Sie unterstützen die Pflanze, sie ersetzen keine gute Bodenstruktur und kein ausgeglichenes Wasserangebot.
Mit der Erbsenernte aufhören
Erbsen sind keine Einmalernte. Wer im Juni aufhört zu pflücken, weil die Hauptmenge durch ist, signalisiert der Pflanze das Ende. Die Folge: schneller Abbau, geringerer Ertrag, frühes Vergilben.
Erbsen wollen regelmäßig beerntet werden. Gleichzeitig lohnt sich jetzt das Nachsäen, um die Ernte zu verlängern. Wer beides unterlässt, verschenkt Wochen an frischen Schoten.
Jungpflanzen weiter abhärten, obwohl sie längst etabliert sind
Abhärten ist eine Übergangsphase und diese Phase endet, sobald die Pflanzen im Beet angewachsen sind. Wer Jungpflanzen im Juni weiterhin schont, beschattet oder zurückhält, bremst ihr Wachstum unnötig.
Tomaten zu dicht stehen lassen
Im Juni zeigt sich, ob Abstände realistisch gewählt wurden. Wenn sich die Blattmasse schließt, Luft nicht mehr zirkuliert und Blätter sich berühren, steigt das Krankheitsrisiko deutlich.
Zu dicht stehende Tomaten trocknen schlechter ab, reagieren empfindlicher auf Feuchtigkeit und entwickeln schneller Pilzprobleme und damit zum Ertragsverlust.
Gurken und Zucchini regelmäßig gießen, aber ohne Mulch
Viel Wasser ohne Mulch ist im Juni ein klassischer Fehler. Der Boden trocknet zwischen den Wassergaben aus, Temperaturschwankungen belasten die Wurzeln und der Wasserbedarf steigt weiter.
Gurken und Zucchini sind Flachwurzler. Ohne Mulch leiden sie schnell unter Stress, auch wenn regelmäßig gegossen wird. Wasser allein reicht nicht, der Boden muss geschützt werden.
Dont’s im Kräutergarten
Mediterrane Kräuter gießen
Thymian, Rosmarin, Salbei und Lavendel reagieren im Juni empfindlich auf zu viel Wasser. Warme Temperaturen in Kombination mit feuchtem Boden führen schnell zu Wurzelproblemen.
Diese Kräuter mögen keine Dauernässe.
Die Haupternte verpassen
Im Juni stehen viele Kräuter auf ihrem Höhepunkt. Die Triebe sind kräftig, die Pflanzen stabil und vor allem die Aromastoffe gut entwickelt. Wenn Du jetzt nicht erntest, verpasst Du die beste Phase. Merk Dir einfach: Kräuterernte um die Sommersonnenwende
Dont’s im Obstgarten
Fruchtbehang nicht ausdünnen
Im Juni zeigt sich sehr deutlich, wie viele Früchte ein Baum tatsächlich trägt. Wenn Du alles hängen lässt, überforderst Du ihn. Die Folge sind kleine Früchte, schwacher Zuwachs und ein erhöhtes Risiko für Alternanz in den nächsten Jahren.
Junge Obstbäume nicht gießen
Junge Bäume haben noch kein tiefreichendes Wurzelsystem. Wenn Du Dich im Juni auf Regen verlässt, reicht das oft nicht aus. Trockenstress in der Anwuchsphase wirkt sich direkt auf Wachstum und Standfestigkeit aus.
Gegossen wird an der Baumscheibe, durchdringend und regelmäßig. Alles andere ist gut gemeint, aber wirkungslos.
Baumscheiben zuwachsen oder verfilzen lassen
Vor allem Rasen auf der Baumscheibe entziehen den Bäumen Wasser und Nährstoffe. Im Juni, wenn der Wasserbedarf steigt, ist das besonders ungünstig. Eine gemulchte Baumscheibe sorgt für gleichmäßige Versorgung und entlastet den Baum spürbar.
Beerensträucher nicht stützen
Jetzt werden die Johannis-, Stachel- und Jostabeeren reif und die Äste tragen viel Last. Wenn Du sie nicht abstützt, brechen Äste ab oder liegen auf dem Boden.
Das schadet der Pflanze und der Ernte. Eine einfache Stütze verhindert langfristige Schäden.
Erste Krankheitsanzeichen ignorieren
Blattflecken, Kräuselungen oder Beläge wirken im Juni oft harmlos oder sind noch ganz klein. Wenn Du sie übersiehst oder aussitzt, breiten sie sich schnell aus.
Jetzt ist der Zeitpunkt, zu reagieren – später ist der Schaden meist größer und schwerer zu begrenzen. Es leben die Pflanzenjauchen!
Sommerschnitt vergessen
Wasserschosse und dichtes Innenwachstum behindern Luftzirkulation und Licht in älteren Obstbäumen. Lässt Du das im Juni ungebremst, steigt das Risiko für Pilzkrankheiten deutlich.
Gezieltes Entfernen einzelner Triebe reicht oft aus. Radikale Schnitte sind nicht nötig.
Den Julifall unreifer Früchte als Schaden missverstehen
Im Juli werfen viele Obstgehölze einen Teil ihrer noch unreifen Früchte ab. Das kann auf den ersten Blick Sorgen berieten, ist aber ein normaler Regulationsprozess: Der Baum reduziert seinen Fruchtbehang auf das Maß, das er unter den aktuellen Bedingungen versorgen kann.
Dieser sogenannte Junifall tritt besonders dann auf, wenn Trockenheit, Hitze oder ein unausgeglichener Fruchtansatz zusammenkommen. Der Baum entscheidet selbst, welche Früchte er weiterträgt und welche nicht.
Problematisch wird es, wenn dieser natürliche Prozess mit Mangelpflege beantwortet wird: etwa durch hektisches Nachdüngen oder zusätzliches Gießen ohne Bodenabdeckung. Sinnvoller ist es, den Baum jetzt stabil zu halten: gleichmäßige Wasserversorgung, gepflegte Baumscheibe, keine zusätzlichen Stressfaktoren.
Dont’s im Blumenbeet
Stauden ungezügelt ineinander wachsen lassen
Im Juni schließen viele Stauden erstmals ihre Reihen. Wenn Du jetzt nichts regulierst, entsteht Konkurrenz um Licht, Wasser und Luft. Das sieht kurzfristig üppig aus, fördert aber Pilzkrankheiten und schwächt einzelne Pflanzen, die unter dem Wachstum den Nachbarn sterben können.
Gezieltes Freistellen einzelner Stauden schafft Luft und sorgt dafür, dass Blüten stabil bleiben.
Verblühtes stehen lassen
Viele Stauden reagieren im Juni sehr gut auf Rückschnitt nach der ersten Blüte. Lässt Du Verblühtes stehen, geht Energie in Samenbildung statt in neue Knospen. Zu diesen Stauden zählen: Polsterstauden, Storchschnabel, Frauenmantel, Katzenminze und Ziersalbei.
Ein Schnitt zur richtigen Zeit verlängert die Blüte deutlich und hält den Bestand kompakt.
Hohe Stauden zu späte stützen
Rittersporn, Phlox, Sonnenhut oder hohe Gräser brauchen Halt, bevor sie umfallen. Wartest Du zu lange, knicken Triebe ab oder werden durch Regen dauerhaft beschädigt.
Neu gepflanzte Stauden ohne Mulch lassen
Frisch gepflanzte Stauden reagieren empfindlich auf Austrocknung. Wenn Du nur gießt, aber nicht mulchst, verdunstet das Wasser schnell und der Boden heizt sich stark auf. Achte auch in Präriegärten darauf, wie es den Neupflanzungen geht – hier gibt es natürlich keine Mulchschicht.
Wildwuchs radikal entfernen
Nicht alles, was in den Beeten spontan aufläuft, ist ein Unkrautproblem. Im Juni zeigen sich viele einjährige Wildpflanzen, die Blüten, Deckung oder Bodenstabilität bringen.
Vielleicht willst Du jetzt neue Kräuter kennen lernen.
Stauden in voller Sonne austrocknen lassen
Auch etablierte Stauden geraten im Juni schnell unter Stress, wenn Hitze und Wind zusammentreffen. Sichtbare Welke ist ein gutes Warnsignal, dann ist der Schaden oft schon da.
Gleichmäßige Wasserversorgung schützt Wurzeln und Blütenansatz… und erinnert Dich daran, ob Du den Pflanzenstandort gut gewählt hast oder nicht.
Dont’s im Tiergarten
Jungvögel anfassen oder „retten“, obwohl sie versorgt werden
Im Juni sitzen viele Jungvögel scheinbar hilflos am Boden. In den meisten Fällen werden sie weiterhin von den Eltern versorgt.
Rückzugsbereiche freischneiden, weil es „ordentlicher aussieht“
Brennnesseln, hohes Gras, wilde Ecken und Randbereiche sind im Juni wichtige Rückzugsräume. Wenn Du sie jetzt entfernst, verlierst Du Brutplätze, Verstecke und Jagdräume.
Allgemeine Dont’s im Garten
Zu häufig und oberflächlich gießen
Tägliches, kurzes Gießen beruhigt das Gewissen, aber nicht den Garten. Wasser erreicht die Wurzeln nicht zuverlässig und fördert flaches Wurzelwachstum.
Im Juni ist tiefes, durchdringendes Gießen entscheidend (natürlich nur die Pflanzen, die es brauchen. Besser ist standortangepasster Gärtnern, da kann es dann auch mal sehr trocken werden in machen Ecken!). Es stärkt Pflanzen langfristig und macht sie widerstandsfähiger gegen Hitzeperioden.
Das war’s für’s Erste aus dem Juni, was Du jetzt alles nicht machen musst. Ich hoffe, es konnte Dich ein bisschen entlasten. Viel Freude im Garten!
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