Wenn Reife sichtbar wird

Der August ist ein stillerer Monat, als er auf den ersten Blick wirkt. Ich sage das bewusst so, denn viele sind noch voll im Sommerschwung: Vieles steht noch in voller Kraft und könnte den Eindruck erwecken, der Sommer ginge nie zu Ende! Doch der Charakter des Gartens verändert sich: Das Wachstum wird langsamer, die meisten Abläufe werden ruhiger. Wir gehen in die Ernte über. Der Garten manchmal auch schwerer, dichter, voller.

nicht mehr ganz so frischer Alant

Der August im phänologischen Kontext

Phänologisch liegt der August im Hochsommer. Die Gehölze haben ihr Längenwachstum weitgehend abgeschlossen, Triebe verholzen (außer, wir haben einen sehr nassen Sommer, da kann das Verholzen noch eine Weile dauern) und die Knospen für das kommende Jahr werden angelegt. Der Stoffwechsel läuft aktiv weiter, richtet sich aber stärker auf Versorgung und Speicherung aus: Die Pflanzen bereiten die Überwinterung vor.

Im Boden arbeiten Mikroorganismen kontinuierlich weiter. Die Wurzeln sind voll ausgebildet, die Wasser- und Nährstoffflüsse haben sich eingespielt und alle Prozesse laufen weit weniger sprunghaft als im Frühjahr. Alles ist in Fahrt gekommen und hat sich organisiert… so könnte das jetzt auch bleiben. Tut es aber nicht.

Der August als Reifemonat

Im August geht es kaum mehr darum, etwas zu starten. Es geht darum, Entwicklungen bis hin zur Ernte zu begleiten und reifen zu lassen. Früchte und Samen werden ausgebildet und werden über Photosynthese über die Blattmasse versorgt.

Manchmal wirkt Garten jetzt voll, manchmal auch übervoll. Genau das gehört dazu zum August.

Beobachtung als wichtigste Tätigkeit im August

Der August eignet sich gut, um Wirkungsketten zu erkennen. Entscheidungen aus dem Frühjahr und Frühsommer zeigen jetzt ihre Folgen. Standorte, Pflanzabstände, Bodenpflege: all das lässt sich im Ergebnis ablesen.

Jetzt lässt sich gut erkennen:

  • Wo tragen Pflanzen zuverlässig?
  • Wo bleibt Entwicklung hinter den Erwartungen zurück?
  • Wo entsteht Fülle, wo Leere?
  • Wo habe ich gute Entscheidungen getroffen?

Diese Beobachtungen brauchen keine sofortige Konsequenz. Sie dürfen gesammelt werden. Der August ist ein Monat des Wahrnehmens, nicht des Bewertens. Auf jeden Fall können Schlüsse über das eigene Handeln gezogen werden.

Wetter, Boden und ihre Wechselwirkungen

Häufig ist der August trocken und gerade jetzt bräuchten die Pflanzen und Mikroorganismen im Boden Wasser. Niederschläge sind regional sehr unterschiedlich, und durch die viele Blattmasse bleibt die Verdunstung hoch. Genau deshalb muss der Boden geschützt werden: Oberflächen trocknen ab, tiefere Schichten werden stärker beansprucht und das merken wir an unseren Pflanzen, wenn sie schlappen.

Hier zeigt sich, wie gut der Garten mit diesen Bedingungen umgehen kann. Pflanzengesellschaften, Bodenbedeckung und Durchwurzelung wirken zusammen. Der August macht diese Zusammenhänge gut sichtbar.

Innere Haltung im August-Garten

Der August lädt dazu ein, den Garten ernst zu nehmen. Er ist ein gewachsenes System, in welchem viele Prozesse gleichzeitig ablaufen. Das Schöne dabei ist: Wir müssen sie nicht alle kontrollieren!

Gartenarbeit im August bedeutet, präsent zu sein und zu sehen, was sich entwickelt hat, und auszuhalten, dass nicht alles gleichzeitig so läuft, wie wir es uns vorgestellt haben. Reife bringt

Einordnung im Jahresverlauf

Mit dem August beginnt die Phase der Reife. Was im August sinnvoll möglich ist und wo Begleitung ausreicht, findest Du in den Garten-To-dos im August und den Garten-Don’ts im August.

Garten-To-dos und Don’ts im August

In diesem Sinne: Genieße Deine Ernte

Gunhild

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