Der Mai markiert im phänologischen Kalender den Vollfrühling. Obstgehölze stehen in Blüte oder haben sie gerade abgeschlossen, Stauden treiben kräftig, viele Kulturen gehen sichtbar ins Wachstum. Der Boden ist in den meisten Regionen erwärmt, das Bodenleben aktiv, die Tage sind lang genug für stabile Entwicklung. Gleichzeitig bleibt der Mai ein sensibler Monat, denn Spätfröste, Trockenphasen oder Starkregen sind weiterhin möglich.
Genau diese Mischung macht den Mai gärtnerisch anspruchsvoll. Vieles scheint jetzt möglich, aber nicht alles ist sinnvoll. Entscheidungen, die in diesem Monat getroffen werden, wirken oft direkt bis in den Hochsommer hinein – bei Wasserbedarf, Krankheitsdruck, Ertrag und Pflegeaufwand. Der Mai ist kein Monat für Aktionismus, sondern für kluge Weichenstellungen.
Dieser Artikel bündelt die tragenden To-dos für den Mai, also jene Arbeiten, die Struktur schaffen, Pflanzen stabilisieren und Folgefehler vermeiden. Er ersetzt kein Beobachten, sondern unterstützt dabei, Zusammenhänge zu erkennen: zwischen Boden, Witterung, Pflanzenentwicklung und den eigenen Kräften. Teil A ordnet die grundlegenden Arbeiten ein, Teil B ergänzt sie durch konkrete, bereichsbezogene Tätigkeiten.

To-do 1: Pflanzungen abschließen und Bestände stabilisieren
Im Mai wird aus den Wochen der Vorbereitung endlich Realität: Es geht mit den Junpflanzen nach draußen: Jetzt entscheidet sich, ob Pflanzungen anwachsen oder ob sie den ganzen Sommer über hinterherhinken. Der Boden ist in der Regel ausreichend erwärmt, das Wurzelwachstum kommt in Gang, gleichzeitig steigt der Wasserbedarf spürbar an. Wer jetzt pflanzt, muss nicht mehr hoffen, sondern kann sich schon fast freuen.
Es geht nicht darum, möglichst viel in die Erde zu bringen: Alles, was jetzt gesetzt wird, sollte seinen Platz wirklich behalten dürfen.
Was jetzt wichtig ist:
- Jungpflanzen aus Anzucht und Kauf ins Beet setzen
- Pflanzabstände realistisch einhalten, auch wenn Beete dann zunächst leer wirken
- Pflanzlöcher ausreichend tief und breit vorbereiten
- Erde gut andrücken, damit Wurzelkontakt entsteht
- nach dem Pflanzen gründlich gießen
- empfindliche Jungpflanzen in den ersten Tagen vor Sonne und Wind schützen
- Pflanzbereiche markieren, um versehentliches Betreten zu vermeiden
Pflanzungen, die jetzt sorgfältig ausgeführt werden, benötigen im Sommer deutlich weniger Korrekturen. Ungeduld an dieser Stelle rächt sich meist erst Wochen später, dann aber zuverlässig und das will ja keiner.
To-do 2: Bodenoberflächen jetzt aktiv schützen
Jetzt nimmt die Verdunstung deutlich zu, auch wenn es sich noch nicht nach Hochsommer anfühlt. Offene Bodenflächen verlieren jetzt täglich Feuchtigkeit und Struktur, oft unbemerkt. Gleichzeitig beginnt das Bodenleben intensiv zu arbeiten, wenn es nicht durch Austrocknung gebremst wird. Genau hier entscheidet sich, wie stabil der Garten durch den Sommer kommt.
Mulch ist im Mai kein Optionalthema mehr. Er wirkt als Schutzschicht gegen Verdunstung, Erosion und Temperaturspitzen und unterstützt die mikrobiellen Prozesse im Oberboden.
Was jetzt wichtig ist:
- offene Beete zeitnah mulchen, sobald Pflanzen etabliert sind
- nur lockeres, luftdurchlässiges Material verwenden
- Mulch nicht direkt an Stängel oder Kronen legen
- vorhandenes Schnittgut, Laubreste oder angetrocknete Pflanzen nutzen
- Mulchschicht regelmäßig kontrollieren und bei Bedarf ergänzen
- stark windoffene Flächen bevorzugt absichern
Ein gut geschützter Boden bleibt länger feucht, strukturstabil und aufnahmefähig. Das spart Wasser, reduziert Stress für Pflanzen und vereinfacht viele Arbeiten in den kommenden Wochen.
To-do 3: Wasserversorgung realistisch einschätzen und anpassen
Mittlereweile reicht der Blick auf den Himmel nicht mehr aus. Auch nach Regen trocknen Böden durch längere Tage und steigende Temperaturen schneller ab, als viele erwarten. Pflanzen beginnen nun aktiv Wasser aufzunehmen, besonders frisch gesetzte Bestände reagieren empfindlich auf Schwankungen.
Gießen wird jetzt zur Frage von Timing und Tiefe, nicht von Häufigkeit. Oberflächliches Wässern verschärft Probleme oft, statt sie zu lösen.
Was jetzt wichtig ist:
- Bodenfeuchte regelmäßig in tieferen Schichten prüfen
- bevorzugt morgens oder abends gießen
- durchdringend wässern statt häufig kleine Mengen
- frisch gepflanzte Bereiche gezielt beobachten
- Mulch als Verdunstungsschutz konsequent nutzen
- Gießränder bei Neupflanzungen anlegen
Eine angepasste Wasserversorgung im Mai unterstützt tiefes Wurzelwachstum. Pflanzen, die jetzt lernen, Wasser aus tieferen Schichten zu holen, kommen im Sommer deutlich besser zurecht.
To-do 4: Pflanzengesundheit vorbeugend stärken statt später reagieren
Im Mai wird sichtbar, welche Pflanzen stabil wachsen und wo erste Schwächen auftreten. Jetzt beginnt die Phase, in der Pilzkrankheiten, Schädlingsdruck und Wachstumsstockungen vorbereitet werden, lange bevor sie offen auftreten. Wer hier frühzeitig unterstützt, erspart sich spätere Korrekturen.
Pflanzenstärkende Maßnahmen wirken nicht akut, sondern vorausschauend. Sie unterstützen Zellaufbau, Blattstabilität und Abwehrmechanismen genau in der Phase, in der das Wachstum Fahrt aufnimmt.
Was jetzt wichtig ist:
- Spritzungen mit Ackerschachtelhalm- oder Rainfarnbrühe durchführen
- nur bei trockenem Wetter und ohne direkte Sonneneinstrahlung spritzen
- besonders junge Pflanzen und frische Austriebe berücksichtigen
- Blattunterseiten mit erfassen
- Behandlungen in Abständen wiederholen, nicht täglich
- nicht auf bereits stark geschädigte Pflanzen setzen
Diese Maßnahmen ersetzen keine Pflegefehler, sie wirken dort, wo Pflanzen grundsätzlich gut versorgt sind. Vorbeugung im Mai ist leiser, aber deutlich wirksamer als jede spätere Reparatur.
To-do 5: Beikraut gezielt regulieren, bevor Konkurrenz entsteht
Mit Wärme und Wasser wird losgewachsen: Beikräuter nutzen Wärme und Licht oft schneller als Kulturpflanzen und sichern sich früh Raum, Wasser und Nährstoffe. Jetzt entscheidet sich, ob Regulierung leicht bleibt oder im Sommer zur Daueraufgabe wird.
Es geht dabei nicht um Sauberkeit, sondern um Konkurrenzsteuerung. Beikräuter werden entfernt, wenn sie stören, nicht pauschal.
Was jetzt wichtig ist:
- Beikräuter früh und flach entfernen
- Wurzelunkräuter konsequent nachziehen, solange der Boden locker ist
- junge Keimlinge vor der Samenbildung regulieren
- regulierte Flächen direkt mulchen
- bewusst einzelne Pflanzen stehen lassen, wo sie nicht konkurrieren
- regelmäßig, aber in kurzen Intervallen arbeiten
Wer jetzt regelmäßig und gezielt eingreift, verhindert Verholzung, Samenreife und unnötigen Arbeitsaufwand. Der Mai ist dafür ideal, weil der Boden meist noch gut bearbeitbar ist.
To-do 6: Mulch gezielt aufbauen, sobald der Boden warm ist
Im Mai hat sich der Boden in der Regel erwärmt, die Mikroorganismen sind aktiv und Pflanzen beginnen, Nährstoffe zügig aufzunehmen. Genau jetzt entfaltet Mulch seine Wirkung. Zu früh ausgebracht, bremst er Prozesse. Zu spät, verliert er seine regulierende Kraft.
Mulch ist im Mai kein Winterschutz mehr, sondern ein Werkzeug zur Wasser- und Bodenregulation. Er entscheidet mit darüber, wie stressfrei Pflanzen durch die ersten warmen Wochen kommen.
Was jetzt wichtig ist:
- nur auf bereits erwärmtem, feuchtem Boden mulchen
- dünn beginnen, nicht direkt dick auftragen
- feines Material für Jungpflanzen, grobes für etablierte Bestände
- Wurzelbereiche frei lassen, Stängel nicht direkt bedecken
- Mulch nach dem Jäten oder Hacken ausbringen
- unterschiedliche Materialien je nach Beet einsetzen
Ein gut gesetzter Mulch spart im Sommer Wasser, reduziert Konkurrenzdruck und schützt die Bodenstruktur. Im Mai gelegt, wirkt er vorbeugend statt reparierend.
To-do 7: Jungpflanzen an Außenbedingungen gewöhnen
Viele vorgezogene Pflanzen stehen im Mai noch geschützt. Der Schritt ins Freiland ist für sie ein echter Übergang, dabei fordern Wind, Sonne, Temperaturschwankungen und Niederschläge Anpassung, die nicht über Nacht gelingt. Das Zauberwort heißt: Abhärten.
Was jetzt wichtig ist:
- Jungpflanzen schrittweise an Sonne und Wind gewöhnen
- anfangs nur stundenweise nach draußen stellen
- Mittagssonne meiden
- Temperaturen nachts beobachten, nicht nach Kalender handeln
- Pflanzen vor dem Auspflanzen gut wässern
- nicht jede Pflanze gleichzeitig umsetzen
Gut abgehärtete Pflanzen wachsen nach dem Auspflanzen schneller an und bleiben weniger anfällig. Der Mai gibt dafür das passende Zeitfenster, wenn man es nutzt.
To-do 8: Blühbeginn gezielt beobachten und Eingriffe anpassen
Jetzt beginnt der Garten sichtbar zu blühen. Stauden, Gehölze und Wildpflanzen wechseln jetzt von vegetativem Wachstum in die generative Phase. Genau dieser Übergang ist entscheidend für Schnitt, Pflege und weitere Eingriffe.
Der Schnitt wirkt sich direkt auf Blüte, Samenbildung und Insektennutzung aus.
Was jetzt wichtig ist:
- blühende Stauden und Wildpflanzen stehen lassen
- keinen Rückschnitt mehr an früh blühenden Gehölzen
- verblühte Zwiebelpflanzen einziehen lassen
- Samenansatz bei Wildpflanzen zulassen
- Schnittmaßnahmen nur noch bei klarer fachlicher Begründung
To-do 9: Pflanzabstände realistisch wählen und nicht „auf Vorrat“ verdichten
Mit all den Jungpflanzen und den freien Beeten ist die Versuchung groß, Beete voll zu setzen. Kleine Pflanzen lassen viel Platz, und freie Erde wirkt ungenutzt. Genau hier entstehen viele spätere Probleme.
Pflanzen brauchen Luft, Licht und Raum, um stabil zu wachsen. Zu enge Pflanzungen fördern Krankheiten, schwaches Wachstum und erhöhen den Pflegeaufwand.
Was jetzt wichtig ist:
- empfohlene Pflanzabstände ernst nehmen
- Endgröße der Pflanzen mitdenken, nicht den Ist-Zustand
- Luftbewegung zwischen Pflanzen ermöglichen
- lieber einzelne Pflanzen weniger setzen als später auslichten
- Mischkulturen bewusst planen, nicht zufällig kombinieren
Großzügige Pflanzabstände im Mai zahlen sich im Sommer aus. Sie reduzieren Krankheitsdruck und machen Pflege einfacher.
To-do 11: Wasserführung klären, bevor Trockenstress entsteht
Der Mai bringt oft wechselhafte Niederschläge. Gerade diese Phase wird unterschätzt, weil es noch nicht nach Sommer aussieht. Doch jetzt entscheidet sich, wie tief Pflanzen wurzeln und wie stabil sie später Trockenphasen überstehen.
Oberflächliches Gießen macht abhängig. Ziel ist es, Pflanzen zu einem tiefen, eigenständigen Wurzelsystem zu führen.
Was jetzt wichtig ist:
- lieber seltener, dafür durchdringend gießen
- morgens oder abends wässern
- Bodenfeuchte vor dem Gießen prüfen
- frisch gepflanzte Kulturen gezielt versorgen
- Mulchschichten nutzen, um Verdunstung zu reduzieren
- Wasserläufe und Senken im Garten wahrnehmen
Wer im Mai klug mit Wasser umgeht, spart im Hochsommer Arbeit. Tiefe Wurzeln sind der beste Hitzeschutz.
Konkrete Garten-To-dos im Mai nach Gartenbereichen geordnet
Diese Übersicht ergänzt die Einordnung aus Teil A. Sie zeigt Dir, was im Mai praktisch möglich ist, getrennt nach Gartenbereichen. Nicht alles muss gemacht werden. Sie dient als Orientierung, nicht als Pflichtprogramm.
Gemüsegarten im Mai
Säen
- Chicorée
- Salat (Sommersorten), Schnittsalat
- Radieschen (Sommersorten), Rettich
- Artischocken
- Blumenkohl, Kohlrabi, Grünkohl, Rotkohl, Stielmus, Brokkoli, Weißkohl, Wirsing
- Mangold, Gartensauerampfer
- Möhren, Weiße Rübe, Rote Bete
- Busch- und Stangenbohnen
- Zuckermais
Pflanzen
- Sellerie
- Salat (Sommersorten)
- Blumenkohl, Kohlrabi
- Rosenkohl, Rotkohl, Brokkoli, Weißkohl, Wirsing
- Mangold
- Steckzwiebeln, Lauch, Steckrübe
- Tomaten, Paprika, Auberginen
- Gurken, Kürbis, Zucchini
- Kartoffeln (bis ca. 20. Mai)
- Artischocken, Rhabarber
Pflegen
- Boden lockern und mulchen
- Pflanzenjauchen (z. B. Brennnessel) ansetzen
- Mit Pflanzenjauchen 1:20 verdünnt etwa alle 14 Tage düngen
- Unkraut regulieren
- Kohlpflanzen und Frühkartoffeln anhäufeln
- Kompost aufsetzen oder weiter pflegen
Ernten
- Spinat, Melde
- Kresse
- Radieschen, früher Rettich
- Schnittsalat, Kopfsalat
- Kohlrabi
- Rhabarber
Kräutergarten im Mai
Säen (Freiland)
- Borretsch, Löwenzahn
- Dill, Kerbel, Kümmel
- Gartenkresse, Brunnenkresse
- Petersilie, Wurzelpetersilie
- Schafgarbe, Ringelblume
- Kamille, Ysop, Majoran
- Bohnenkraut, Bergbohnenkraut
- Dost, Salbei, Baldrian
Pflanzen
- Koriander, Schafgarbe, Beifuß
- Eberraute, Estragon, Wermut
- Borretsch, Beinwell, Ysop
- Lavendel, Baldrian, Liebstöckel
- Gewürzfenchel, Engelwurz
- Melisse, Salbei, Rosmarin
- Basilikum, Thymian, Pimpinelle
- Weinraute, Kapuzinerkresse
Ernten
- Schnittlauch
- Petersilie
- Gänseblümchen, Löwenzahn
- Gartenkresse
- Laufend Blätter von austreibenden Staudenkräutern
Obstgarten im Mai
Pflanzen
- Keine Neupflanzungen mehr von Obstgehölzen
Pflegen
- Ackerschachtelhalmbrühe als vorbeugende Spritzung gegen Pilzkrankheiten
- Vertrocknete Zweigspitzen bei Sauerkirschen früh entfernen
- Blattlausbefall kontrollieren, ggf. mit Rhabarberblätterbrühe behandeln
- Erdbeeren mulchen (ideal: Stroh)
- Kapuzinerkresse oder Ringelblumen auf Baumscheiben pflanzen
- Fanggürtel gegen Apfelwickler anlegen
- Günstige Zeit für Obstveredelung nutzen
Blumengarten im Mai
Säen (Freiland)
- Ringelblume
- Wicke
- Löwenmaul
- Astern
- Kapuzinerkresse
Pflanzen
- Dahlien, Gladiolen, Knollenbegonien (nach den Maifrösten)
- Sommerblumen
- Zu groß gewordene Stauden teilen und verpflanzen
Pflegen
- Abgeblühte Triebe entfernen
- Beete locker halten oder mulchen
Ernten
- Späte Frühjahrsblumen schneiden
- Erste Sommerblumen für Sträuße nutzen
Garten für Tiere im Mai
Schützen
- Nistplätze nicht stören, keine Rückschnitte an Hecken oder Sträuchern
- Altgras, Totholz und Laubhaufen liegen lassen
Versorgen
- Flache Wasserschalen für Vögel und Insekten aufstellen
- Regelmäßig reinigen und nachfüllen
Beobachten
- Jungvögel und Wildtiere nicht anfassen
- Ruhige Bereiche im Garten bewusst ungestört lassen
Der Mai ist für viele Tiere Brut- und Aufzuchtzeit. Rücksicht ist hier die wichtigste Maßnahme.
Weiter geht es zu den Garten-Don’ts im Mai
Das waren meine Hinweise, was im Mai im Garten sinnvoll und gut abgestimmt ist. Vieles wächst jetzt schnell und manches braucht Geduld. Gerade dieser Monat verführt dazu, zu viel auf einmal zu wollen.
Was Du im Mai bewusst nicht tun solltest, habe ich deshalb separat gesammelt:
👉 Garten-Don’ts im Mai
👉 Weiter geht es mit dem Juni im Garten
So bleibt der Garten stabil – und Du behältst einen klaren Blick für das, was wirklich dran ist.

