Zwischen Aufbruch und Warten
Den April kennen wir alle als wechselhaften Monat. Das ist ok, er darf widersprüchlich sein: Licht und Wärme nehmen weiter zu, viele Tage fühlen sich bereits nach Frühling an. Gleichzeitig ist der Garten noch nicht ganz stabil und bleibt verletztlich: Späte Fröste, kalte Nächte und abrupte Wetterwechsel gehören weiterhin dazu, auch wenn tagsüber schon die Sonne lockt. Dieses Hin und Her macht ihn etwas anspruchsvoll für ungeduldige GärtnerInnen.
Viele Menschen erleben den April als den eigentlichen Beginn der Gartensaison, wenn sie nicht schon die Tage zum kalendarischen Frühlingsbeginn am 21.3. gezählt haben. Das Bedürfnis, endlich richtig loszulegen, ist groß. Und doch zeigt der April sehr deutlich, dass Wachstum Zeit braucht, nicht beschleunigt werden kann und wir ziemlich doll vom Wetter und den Launen der Natur abhängig sind.

Der April im phänologischen Kontext
Phänologisch liegt der April meist im Erstfrühling. Die Gehölze beginnen auszutreiben, erste Blüten erscheinen, der Saftstrom ist aktiv. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung stark witterungsabhängig. Kälterückfälle können den Prozess jederzeit abbremsen oder zurückwerfen oder eine Ernte sogar hinfällig machen.
Der Boden erwärmt sich langsam. Er ist vielerorts noch gut mit Wasser versorgt, reagiert aber empfindlich auf Verdichtung. Die mikrobiologische Prozesse laufen an, sind jedoch noch nicht durchgehend stabil. Also auch hier heißt es: Weiterhin Geduld haben!
Der April als Wachstumsmonat
Im April sehen wir endlich Wachstum in der Natur, jetzt geht es los! Knospen öffnen sich, Blätter entfalten sich, Blüten blühen auf: Der Garten wirkt plötzlich deutlich weiter als noch wenige Wochen zuvor. Ja, wir bekommen Farbe!
Dieser Eindruck ist allerdings nur ein Teil der Wahrheit: Überall findet Bewegung statt, doch es ist noch nicht abgesichert. Viele Pflanzen reagieren schnell auf milde Phasen, bleiben aber anfällig für Unterbrechungen durch Kälte und Frost oder kaltem Regen oder sogar Schnee. Ein Ausnahme sind die Blumenzwiebeln, die jetzt austreiben, die halten dieses wechselhafte Wetter aus.
Beobachtung als wichtigste Tätigkeit im April
Der April eignet sich hervorragend, um Unterschiede im Garten zu notieren: Denn die Gehölze treiben nicht gleichzeitig aus, verschiedene Standorte entwickeln sich unterschiedlich und Böden reagieren verschieden auf Niederschläge und Wärme.
Jetzt lässt sich gut erkennen:
- Wo setzt Wachstum früh ein?
- Wo bleibt es zögerlich?
- Wo reagieren Pflanzen empfindlich auf Kälte?
Diese Beobachtungen helfen Dir, den Garten differenziert zu betrachten, statt ihn pauschal zu behandeln. Sie sind entscheidend für alle weiteren Schritte im Verlauf des Frühjahrs.
Wetter, Boden und ihre Wechselwirkungen
Der April ist geprägt von schnellen Wechseln. Warme Tage können den Boden oberflächlich abtrocknen, während tiefer liegende Schichten noch kühl und feucht bleiben. Spätfröste treffen sind bekannt, genau so wie Sonnentage, wo wir eigentlich schon sommerlich ins Café wollen.
Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig Bodenschutz ist. Offene Flächen können Schaden nehmen, während bedeckte Böden geschützt bleiben.
Der April verlangt folglich ein bisschen Aufmerksamkeit, von Geschwindigkeit hält er nicht so viel.
Innere Haltung im April-Garten
Mit den ganzen Frühlingsturbulenzen, erfreut sich der April über Gelassenheit. Die Ruhe des Winters ist vorbei und die Vorfreude des März nimmt mehr Form an: Vieles ist schon zum Greifen nahe!
Wenn Du im April entspannt bist, musst Du später weniger korrigieren. Ungeduld rächt sich oft erst Wochen später, wenn Frost oder Trockenheit sichtbar machen, was zu früh war. Da kann ich aus dem Nähkästchen plaudern: Zu häufig haben wir in der Ausbildungsgärtnerei doppelt verkauft: einmal im April und dann wieder im Mai an die gleichen Kunden, weil sie zu ungeduldig waren. Da hat das Wetter ihnen dann im wahrsten Sinn des Wortes einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Gartenarbeit ist kein Wettlauf! Never. Es ist timing.
Einordnung im Jahresverlauf
Der April bildet die Brücke zwischen vorsichtigem Beginn und stabiler Entwicklung.
Was im April sinnvoll möglich ist und wo Zurückhaltung schützt, kannst Du in den Garten-To-dos im April und den Garten-Don’ts im April differenziert nachlesen.
Garten-To-dos und Don’ts im April
- Gärtnern im Jahresverlauf: Überblick und Zusammenhänge
- phänologischer Kalender: die fachliche Grundlage
- Garten-To-dos im April
- Garten-Don’ts im April
In diesem Sinne: Lass Dich vom April überraschen!
Gunhild

