Nach den Feiertagen und den Raunächten, ist der Januar kein Arbeitsmonat im klassischen Sinn auch, wenn wir alle wieder in unseren Arbeitsalltag schlüpfen. Und doch ist er ein wichtiger Teil des Gartenjahres: Jetzt im Januar entscheidet sich, wie ruhig oder hektisch das kommende Gartenjahr beginnt.
Der Garten wirkt leer, still, manchmal unordentlich. Und während du vielleicht diese Ruhe genießt, tauchen gleichzeitig immer häufiger die Hinweise auf, was angeblich schon vorbereitet, gesät oder geplant werden sollte. Wer sich daran orientiert, könnte schnell in hektischen Aktionismus geraten obwohl die Natur noch auf einem ganz anderen Dampfer ist.
Der Januar gehört zur tiefen Winterphase. Phänologisch betrachtet befindet sich der Garten in der Vegetationsruhe. Genau das ist seine Qualität.

Der Januar im phänologischen Kontext
Im phänologischen Kalender liegt der Januar in der ausgeprägten Ruhephase. Gehölze befinden sich in Knospenruhe, der Saftstrom ist stark reduziert oder vollständig zum Erliegen gekommen uns sichtbare Wachstumsprozesse finden nicht statt.
Diese Phase ist stabilisierend und auf unseren Winter angepasst. Im Boden laufen die Abbau- und Umbauprozesse sehr langsame ab, Organismen ziehen sich zurück, Pflanzen halten ihre Energie in den Speicherorganen zurück. Der Garten ist jetzt sondern auf Erhalt oder besser Durchhalten eingestellt.
Wichtig ist dabei: Einzelne milde Tage ändern daran nichts. Auch wenn es zwischendurch wärmer wird, bleibt der Gesamtzustand winterlich. Der Januar reagiert sensibel auf Störungen besonders durch mechanische Eingriffe oder Bodenbearbeitung, schließlich ist die Wintersonnenwende noch gar nicht lange her und es dauert noch ein Weilchen bis das Licht wieder da ist.
Der Januar ist ein Ruhemonat
Gartenarbeit orientiert sich sinnvollerweise am aktiven Stoffwechsel von Pflanzen. Im Januar ist dieser weitgehend inaktiv. Maßnahmen wie Aussaat, Düngung oder Pflanzung greifen ins Leere oder schaden sogar.
Auch Schnittarbeiten sind in dieser Phase mit Vorsicht zu betrachten. Zwar werden sie oft empfohlen, doch phänologisch betrachtet fehlt die Voraussetzung für eine zügige Wundheilung. Frost, starke Temperaturschwankungen und fehlende Regeneration erhöhen das Risiko für Schäden. Denn wer weiß schon, welche Temperaturen wir in den nächsten Wochen noch zu erwarten haben?
Der Januar ist deshalb kein Monat für „endlich Zeit haben“, sondern für bewusstes Nicht-Tun.
Beobachten und friedlich werden
Was der Januar sehr gut erlaubt, ist Beobachten: Kronenaufbau, Wuchsrichtung, Lücken, Schutzräume für Tiere, all das lässt sich jetzt klar erkennen. Und natürlich ist es eine große Freude, das rege Treiben der Tiere am Futterhäuschen zu bewundern.
Im Garten und der Landschaft lässt sich jetzt auch der Boden gut einschätzen: Wo finden sich Staunässe, Verdichtungen und Abflusswege? Diese Beobachtungen sind sehr wertvoll und bilden später die Grundlage für sinnvolle Entscheidungen.
Dabei bedeutet Beobachten im Januar wahrzunehmen und zu merken.

Winter, Wetter und Frost
Der Januar ist geprägt von Frost und Tauphasen. Natürlich ist das regional verschieden. Allerdings wirkt diese Dynamik direkt auf Bodenstruktur und Pflanzengewebe. Gefrorener Boden schützt zum Beispiel vor Verdichtung, während Tauphasen empfindlich sind.
Gerade jetzt zeigt sich, wie wichtig Bodenbedeckung ist. Offene Flächen reagieren stärker auf Frost-Tau-Wechsel, während bedeckte Böden stabiler bleiben. Auch Gehölze profitieren von ruhigen Bedingungen ohne mechanische Störung.
Der Januar macht deutlich, dass Schutz oft wichtiger ist als Pflege.
Der Januar-Garten im Inneren
Der Januar fordert Geduld im Annehmen der Ruhe. Wenn du mit dem Ende der Raunächte in den Januar gestartet bist, fühlst du es vielleicht besonders intensiv. Diese Ruhe lässt dich später gelassener ins Gartenjahr starten, wirklich. So spart man sich nämlich viele doppelte Arbeit.
Es ist völlig ausreichend, im Januar einfach im Garten zu sein. Zu schauen, zu gehen, wahrzunehmen. Alles andere folgt zu seiner Zeit.

Einordnung im Jahresverlauf
Der Januar bildet zusammen mit dem Februar den ruhenden Pol des Gartenjahres. Er steht nicht am Anfang eines neuen Projekts, sondern mitten im Kreislauf. Seine Qualität liegt im Stabilisieren, nicht im Vorbereiten.
Die konkreten Möglichkeiten und Grenzen dieser Phase werden in den Garten-To-dos im Januar und den Garten-Don’ts im Januar genauer eingeordnet.
Weiterlesen
- Gärtnern im Jahresverlauf: Überblick und Zusammenhänge
- Beobachtungspflanzen & phänologischer Kalender: fachliche Grundlage
- Garten-To-dos im Januar
- Garten-Don’ts im Januar